Gepostet von am Dez 13, 2016 in 2016 - Jahr des Aufblühens

Eine Entscheidung, ein Abschied, ein Neuanfang. Nichts Neues für mich und doch ist dieses Mal alles anders. Zum ersten Mal sinniere ich, ob es nicht besser ist, einen überlegten Rückzieher zu machen, anstatt auf Biegen und Brechen zu meinem Wort zu stehen.

 

Eine Entscheidung, die das Leben forderte

 

Im September diesen Jahres entschied ich mich nach langer und reiflicher Überlegung (ich habe sogar Pro- und Kontra-Listen geschrieben, was ich sonst nie tue), meine schöne Wohnung im wunderschönen Franken zu kündigen und zurück ins heimatlich-vertraute Sachsen zu gehen, um meiner Tante beizustehen, die in den letzten Monaten gesundheitlich sehr schnell abgebaut hat. Die Entscheidung fiel mir nicht leicht. Viele Tage habe ich mich damit beschäftigt, abgewogen, reingespürt. In Sachsen freuen sich liebe Menschen auf mich, die mich nach kürzester Zeit sehr zu schätzen wussten, mich ins Herz geschlossen haben, mir von Anfang an beim Neubeginn zur Seite stehen, die mir Platz in ihren Leben machen, um mich warm willkommen zu heißen. Das wäre mal ein ganz neuer Start, denn die bisherigen vielen Neustarts habe ich fast immer allein bewältigt, mir soziales und berufliches Umfeld allein gestalten müssen, was immer sehr viel Kraft gekostet hat.

Nun waren die anderen Neuanfänge jedoch auch anders, als der jetzige. Von wo immer ich weg ging, ging ich mit dem Wissen: „Hier bin ich fertig, meine Aufgabe ist erledigt. Auf zu neuen Abenteuern.“ Nicht so dieses Mal. Seit ich hier wohne, weiß ich, dass dieser Ort und seine Menschen für mich etwas ganz besonderes sind. Ich ahnte, dass mir der Abschied nicht leicht fallen würde. Ich ahnte nicht, dass er drauf und dran ist, mir das Herz zu brechen. Dieses Stück Franken ist in zwei Jahren zu meiner Heimat geworden. Dieses kleine Dorf am Fuße der Fränkischen Schweiz ist mein Zuhause. Hier wohne ich nicht nur, hier lebe ich. Hier liebe ich. Nun ist auch das noch keine so überraschende Erkenntnis, denn das weiß ich schon länger. Was jedoch neu, überraschend ist und mich meine Entscheidung immer öfter hinterfragen lässt, ist die Tatsache, dass mir das neue Zuhause jeden Tag mehr und auf verschiedenste Arten zeigt, dass mein Weggang nicht erwünscht ist.

 

Das Unmögliche ist möglich – das Leben beweist es mir immer wieder

 

Es ist tatsächlich Unmögliches mal wieder wahr geworden. Ein fränkisches Dorf hat mich ins Herz geschlossen und lässt nun kaum eine Möglichkeit aus, diesen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Der Franke ist ja eher der Typ „Nicht geschimpft ist schon gelobt“ und ein größeres Lob als „Passt schon.“ gibt es nicht. Diese Franken, die mir längere Zeit das Gefühl gaben, es sei egal, ob ich hier bin oder nicht, machen mir den Abschied so schwer, dass ich wenige Wochen vor dem Wegzug meine Entscheidung wieder und wieder ernsthaft auf den Prüfstand stelle.

Leider sind wir Menschen oft so, dass wir erst jemanden oder etwas verlieren müssen, um zu realisieren, wie viel er uns bedeutet. Oder wir bekommen dieses „Ach, hätte ich doch mehr Zeit investiert. Ach, hätten wir doch öfter etwas zusammen unternommen.“ etc.. Gehört jemand fest zu unserem Alltag, verlieren wir leider zu oft aus den Augen, dass das keine Selbstverständlichkeit ist und niemand von uns weiß, wie das Leben spielt. Jeder Augenblick könnte der letzte sein, jedes aufgeschobene Treffen nicht mehr stattfinden. Das Leben ist endlich und niemand von uns weiß, wann es sich ändert oder ganz vorbei ist. Mir ist das durch viele überraschende und schmerzhafte Abschiede in meinem Leben bewusst geworden. Ich habe dieses Wissen in mein Leben integriert und nutze deshalb jeden Augenblick, so intensiv es geht.

Ich warte nicht bis zu einem Jubiläum/Feiertag oder auf einen passenden Moment, um jemandem zu sagen, dass ich ihn wertschätze, liebe oder besonders finde. Wenn ich das fühle/denke, hau ich es raus. Für mich ist jeden Tag Weihnachten, jeder Tag ein Fest, jede Begegnung ein Geschenk. Deshalb war mir klar, dass der Abschied schwer würde. Jetzt, da von der anderen Seite so viel Anerkennung, Wertschätzung, Bedauern kommt, mir deutlich gemacht wird, welch festen Platz ich in der Gemeinschaft habe, werden meine Arme und Beine jeden Tag bleierner. Nichts in mir will diesen Ort verlassen, der sich vom ersten Tag an wie Balsam auf meiner Seele anfühlt. Mir wurden hier auch einige alte Pflaster von der Seele gerissen, manch alte Wunde brach wieder auf. Doch spätestens die Verbindung zu Mutter Natur, die hier für mich ganz besonders ist, heilte alle Wunden sehr schnell und nachhaltig. Fremde wurden zu Freunden und Nachbarn zu echter Gemeinschaft.

Da sind in Sachsen meine kranke Tante, die sich auf mich freut, liebe Freunde, die mir für den Anfang ein Zimmer unterm Dach hergerichtet haben, vertraute Heimat, Ungewissheit. Da sind in Franken Freunde, Nachbarn, Feuerwehrkameraden, Bekanntschaften, Gemeinschaft, Gewissheiten und vieles mehr. Da ist eine Entscheidung, die in den letzten drei Monaten Welten bewegt hat und die jetzt das Gefühl erweckt, sie habe schon vor ihrer eigentlichen Umsetzung den Zweck erfüllt. Da sitze ich nun auf leeren Bananenkisten im beginnenden Umzugschaos, schaue aus dem Fenster auf mein Zuhause und frage mich: Pflichtbewusst durchziehen oder mutig über den Haufen schmeißen?

 

Geliebte Heimat

 

3 Kommentare

  1. 12-13-2016

    Liebe Kristina, ich befinde mich gerade in einer sehr ähnlichen Situation und stelle fest, ich bin entscheidungsunfähig. Einerseits die vertraute, geliebte Umgebung, andererseits eine freiwillig getroffene Aussicht auf Veränderung, die immer schmerzhaft ist, wenn wir uns wohl fühlen. Es ist sehr vieles in Bewegung, nicht nur im Außen, sondern vor allem auch im Innen. Ich wünsche dir, mir, der Welt Kraft…..
    https://www.facebook.com/vivayoga.de

    • 12-13-2016

      Liebe Susanne,
      ich kann deine Worte nur untersteichen. Was derzeit Innen und Außen abgeht, an kleinen und großen Wundern geschieht und eben klar getroffene Entscheidungen im nächsten Moment „falsch“ erscheinen lässt, ist kaum noch in Worte zu fassen. Lassen wir es/uns fließen und schauen, wohin uns der eigene Fluß trägt.
      Ich wünsche Dir ganz viel Mut und Kraft und eine wunderzaubermagische Zeit!
      Herzlichste Grüße zu Dir.
      Kristina

      • 12-14-2016

        Liebe Kristina, das kann ich nur an dich zurück geben. Und Danke für das Teilen – zusammen ist man weniger allein 🙂
        Herzlichst, Susanne

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