Gepostet von am Mai 21, 2015 in 2015 - Jahr des Ankommens

Immer wieder erstaunlich, was Menschen auf die Beine stellen können, wenn sie an einem Strang ziehen.

 

Am 13. und 14.5.2015 feierte das Dorf Ebersbach (OF) ein riesengroßes Fest – 30 Jahre Blaskapelle kombiniert mit dem 6. Dorffest (und dem wenig kommuniziertem 1000 jährigem Bestehen). Die Bewohner luden an zwei Tagen zu Musik, Tanz und Ausgelassenheit ein. Für Leib und Wohl war gut und reichlich gesorgt. Zugegeben, es war nicht Wacken im Norden Deutschlands oder ein Rainbow Gathering am anderen Ende der Welt. Es war ein Dorffest mit Blasmusik inmitten von Deutschland. Und doch war es etwas Besonderes. In Ebersbach wohnen ca. 230 Einwohner, bewirtet wurden an die 2000 Gäste. Alles, was mit Organisation, Aufbau und Versorgung zu tun hat, wurde von den Bewohnern selbst bewerkstelligt. Viele fleißige Hände waren am Werk und veranstalteten gemeinsam ein Fest, das seinesgleichen sucht.

 

Kein Gastro-Unternehmen, kein Catering oder ähnliches weit und breit und doch waren hier Profis am Werk.

 

Ich habe schon so manches große Fest erlebt, doch selten eines, bei dem die Dichte der „Laien“-Profis so hoch war. Gerade haben die Bewohner noch die Sanitäranlagen, die Stromleitungen und andere Dinge installiert, das Zelt geschmückt, die Bar bestückt und im nächsten Moment standen sie als Ausschenker am Zapfhahn oder verteilten Cocktails, bedienten schnell und freundlich an der Küchen- und Kuchentheke oder direkt im Bierzelt. Wir spülten, putzten, kochten, zapften, bauten auf und wieder ab, halfen uns gegenseitig, wo immer es nötig war. Und zum Feiern kamen wir auch noch irgendwie.

 

LebensKunst beginnt da, wo die Komfortzone endet. Ich mag Jazz lieber als Blasmusik und kann beides nicht wirklich leiden.

 

Wer mich kennt oder mir schon ein wenig länger folgt, weiß, dass ich Musik liebe. Jedoch kommt Blasmusik noch nach Jazz und der steht ganz weit hinten auf meiner Favoritenliste. Wer mich nun eben kennt oder mir schon ein wenig länger folgt, weiß, dass ich manchmal Dinge ausprobiere, von denen man denken könnte oder von denen ich selbst behaupte, sie wären nichts für mich. Ich teste Bekanntes immer mal wieder an, probiere Neues aus und experimentiere mit Allem, was mir begegnet. LebensKunst eben. Wie oft habe ich mich dadurch selbst überrascht, tolle Begegnungen gehabt, unerwartete Erfahrungen gemacht und meinen Horizont erweitert. Raus aus der Komfortzone, Leute! Ich kann es nicht oft genug empfehlen. Dieses Fest sollte einiges an Blasmusik zu bieten haben, das stand von vornherein fest. Und für mich war schnell klar: Dorffest und Blasmusik sind eigentlich nicht meins und doch: Ich bin dabei.

 

„Wo gesungen wird, da lass dich nieder…“ sagt der Volksmund und ich sage: Wo es Menschen schaffen, so ein Fest auf die Beine zu stellen, wo es menschelt und fließt, da ist ein Stück Zuhause.

 

Ich habe viele der Bewohner kennen- und schätzengelernt, habe bei so manchem hinter die Kulissen schauen dürfen und jede Menge Spaß gehabt. Ich habe den Menschen die Möglichkeit gegeben, mich ein bißchen kennenzulernen und sie haben mir das Geschenk ehrlichen Gemeinschaftsgefühls gemacht. Bei der gemeinsamen Arbeit begegnen Menschen sich einfach anders und über einen Zeitraum von fünf Tagen ist es nur schwer möglich, sich zu verstellen. Ich sah die Ecken und Kanten des Einzelnen, in Familien oder der Dorfgemeinschaft selbst. Ich sah die Großzügigkeit, den Zusammenhalt, erlebte, wie selbstverständlich Wissen weitergegeben und Ecken und Kanten integriert wurden. Das ist ein bißchen wie Familie und mir fällt es leicht, mich heimisch zu fühlen.

 

Ein Dorf, eine Gemeinschaft, eine große Sause, tausende zufriedene Gäste und damit vielleicht doch ein klein wenig wie Wacken.

 

Was ich ständig mit Wacken habe und was mein vielleicht schönstes und überraschendstes Erlebnis war? Ich liebe die Geschichte von Wacken. Ein verschlafenes Dorf stellt einmal im Jahr das weltgrößte Metal-Festival auf die Beine. Ein Bauer stellte seine Wiese zur Verfügung, die Organisatoren begeisterten ihre Mitmenschen und starteten wohl ähnlich wie wir ein Fest, zu dem nun Jahr für Jahr mehr Menschen strömen, um sich gute Musik reinzuziehen. Als ich am Montagmorgen in Ebersbach zum allerersten Mal den Festplatz betrat, der noch nicht mehr als ein frischgemähtes Stück Land eines Bauern aus dem Dorf war, auf dem nur wenige Tage und viele Stunden harte Arbeit später das vielleicht tollste Fest des Jahres stattfinden sollte, hörte ich nach ein paar, noch etwas verschlafenen Hallos aus einem typisch-grünem Makita-Digitalradio: absolut geniale Rockmusik!

 

Das  Fazit der Geschichte

 

Leute, ich wiederhole mich hierbei sehr gern: Raus aus der Komfortzone, nieder mit alten Vor-Urteilen und rein ins Leben! Begegnet Euch und Euren Mitmenschen mit offenem Geist und Herzen und Ihr werdet überrascht sein, wie großartig dieses Leben ist, genau jetzt, genau hier, wo immer Ihr Euch gerade befindet.

Das 6. Dorffest in Ebersbach – ich war dabei und habe jede Menge Eindrücke festgehalten, bei weitem nicht genug, um zu zeigen, was alles los war, doch sicher ausreichend, um Euch nahe zu bringen:
Ein Dorf lässt es krachen!

 

 

Wart Ihr beim Fest dabei und habt tolle Erlebnisse gehabt? Wann habt Ihr zum letzten Mal Eure Komfortzone ausgeweitet und wodurch? Ich freue mich auf Eure Kommentare. Teilt meine Artikel gerne, wenn sie Euch gefallen und wenn Ihr mehr über die Kunst zu Leben erfahren wollt, sagt bescheid.

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