Gepostet von am Nov 25, 2015 in 2015 - Jahr des Ankommens

Heute las ich die Aussage eines Politikers, dass nun, nach Abschuss der Maschine in der Türkei, der Weltfrieden in Gefahr sei. Der Weltfrieden ist nicht in Gefahr. Er existiert nicht.

 

Weltfrieden ist und bleibt ein Wunsch

 

Irgendwo auf unserer Welt ist immer Krieg. Vielleicht sogar überall; kalte, lauwarme, heiße Kriege, innen und außen. „Weltfrieden ist in Gefahr!“ wird immer dann gerufen, wenn der heiße Krieg droht vor die eigene Haustür, sprich ins eigene Land zu kommen. Erst, wenn der wohlfeile deutsche (europäische) Hintern auf seinem Komfortzonensofa in Gefahr oder betroffen ist, weil Deutsche (oder Franzosen…) in Kriegen sterben – erst dann ist die Welt offiziell im Krieg und ein Frieden in Gefahr, den es so gar nicht gibt.
Diese weitverbreitete begrenzte und egozentrische Sichtweise auf die Welt und das Leben langweilte mich, machte mich wütend und gleichzeitig ratlos. Da das auch niemandem nützt, gab ich meinen Gefühldanken ein wenig Raum und mir einiges an Ruhe, um klarer sehen zu können.

Denn wir sind so blind. Viele halten sich die Augen zu und spielen „Ich bin unsichtbar“. Viele schauen hin und verlieren sich in wertenden Diskussionen, Säbelrasseln oder Hoffnungslosigkeit. Und manche schauen hin und werden immer stiller. So wie ich. Ich beobachte seit vielen Tagen, sage und schreibe wenig. Während sich viele von Griechenland-, Banken- und Flüchtlingskrisen, Terroranschlägen und ESC-De-Nominierungen und all den unzähligen Meinungen und Stellungsbezügen auf kriegerische Nebenschauplätze oder in die Tatenlosigkeit treiben (lassen), werden andere immer stiller. Es ist die Stille des Betrachters, des Beobachters. Diese Stille ist kein ratloses Schweigen, sondern eine Entscheidung.

 

Erwachsene auf Kindergartenniveau

 

Sofort spielt sich folgende Szenerie vor meinem geistigen Auge ab:
Ein Kindergarten. Ein einziger großer Raum. Ein Raum voller Kinder. Manche sind völlig in ihr Spiel versunken und bekommen nicht mit, was um sie herum vor sich geht. Ein paar Kinder spielen gemeinsam, doch werden sie immer öfter abgelenkt von dem, was um sie herum geschieht, denn der Großteil der Kinder tobt wie wild geworden durch den Raum. Sie nehmen sich gegenseitig Spielzeug weg, hauen sich mit allem, was ihnen zwischen die Finger kommt. Sie schreien, wüten, weinen. Ein paar Kinder versuchen zu vermitteln, geraten zwischen die Fronten und schreien letztlich auch, um den Lärm der anderen zu übertönen, denn sie meinen, sie hätten die Lösungen für all die Sorgen, Nöte und Befindlichkeiten der anderen. Sie brüllen, um die Toberei zu beenden und geraten in Streit mit jenen, die ebenfalls meinen, die richtigen Lösungen parat zu haben. Jeder im Raum ist hochemotional. Da sind Angst und Wut, Schmerz und Ignoranz. Viele sind genervt oder arrogant, gut meinend und sich am oder mit dem anderen aufreibend. Da ist so viel Krieg.

Ich sehe all das, spüre die Intensionen, fühle die Emotionen. Und bin still. Ich bleibe im Raum, bin präsent, wach, aufmerksam und still. Eine bessere Handlung fällt mir im Moment nicht ein, denn all diese Emotionen und Vorgänge lassen sich nicht wegdrücken oder vernünftig wegreden. Sie ohne Rücksicht auf Verluste auszuleben, zieht Verluste nach sich. All das ist da. Es ist. Punkt.

 

Was also tun in diesem großen Raum des Kindergartens der Gruppe „Menschheit“?

 

Ich bin präsent, wach, aufmerksam und still. Und ich hoffe. Ich hoffe darauf, dass dieses Toben und Wüten bald ein Ende findet, wir endlich wieder hören und sehen können. Ich hoffe, es möge ein friedliches Ende sein. Möglich ist es, denn auch Stille zieht Konsequenzen nach sich. Möglich ist es. Doch nur, weil das scheinbar Unmögliche möglich ist, heißt das noch nicht, dass es zwangsläufig geschieht. Mensch muss es wollen. Ich muss es wollen. Ihr müsst es wollen. Wir alle müssen es wollen. Und etwas dafür tun. Was genau? Wie wäre es mal eine Weile mit still sein? Und noch besser: reifen? Diese Welt ist unser aller Spielplatz, doch sind wir nicht mittlerweile raus aus dem Kindergartenalter? Wir können es besser. Das weiß ich. Doch auch das müssen wir wollen.

 

Weltfrieden

Photo: geralt | pixabay.com

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