Gepostet von am Aug 7, 2014 in 2014 - Jahr des Entdeckens

Ich habe keine Lebensangst. Ich habe Existenzangst. Ich habe keine Angst davor, zu leben. Das Leben mit allem anzunehmen, was es für mich bereithält. Ich habe Angst, die Existenz nicht sichern zu können. Essen, Wohnung, Kleidung… Diese Dinge sind hier nicht frei. Für diese Dinge brauche ich Geld. So die Spielregeln. Leben ist für mich Sein, Existenz ein menschgemachtes Spiel. Ein großes Spiel.

Ich stelle mich den lebensnotwendigen, natürlichen Abhängigkeiten. Ich bin abhängig von der Luft, die ich zum Atmen brauche, von funktionierenden Organen, die mich am Leben halten. Ich weiß um die Abhängigkeit meiner körperlichen und seelischen Gesundheit. Ich habe jedoch ein Problem, mich mit den Abhängigkeiten abzufinden, die eine Existenz sichern (sollen). Sie sind unnatürlich. Geld, Jobs, gesellschaftliche Zwänge… Um gut wohnen, essen und mich kleiden zu können, brauche ich Geld. Das bekomme ich nur von Menschen, die gewillt und in der Lage sind, es mir für etwas, das ich ihnen zu bieten habe, zu geben. Diese Menschen müssen es auf ebensolche Weise bekommen. Ein stetiges und von vornherein im Raum stehendes „Ich gebe dir, wenn du mir gibst“, was für mich tief unten nach einem „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ klingt und leider in vielen Fällen noch nicht einmal mit rechten Dingen zugeht. Es geht dabei nicht um die Frage des Wertes einer Sache oder eines Tuns. Darüber ließe sich im Einzelnen ausführlich sinnieren. Mir geht es hier im Moment um Leben, das uns in die Wiege gelegt wurde und dem weitverbreiteten Irrglauben (oder Spielregeln, die sich massiv manifestiert haben), unser Leben sei eine wirtschaftliche Existenz. Es macht mir Angst, wie viele Menschen daran glauben und sich ein Leben als das, was es wirklich ist, nicht mehr vorstellen können, ohne es mit Existenz zu verwechseln.

Wir arbeiten kaum mehr um der Freude willen, sondern in erster Linie, weil wir unsere Existenz sichern müssen. Wer dann doch etwas arbeitet, das ihm Freude bereitet, kann nur selten von einem regelmäßigen Geldfluss berichten, Einstellung zum Geld hin oder her. Geld ist heutzutage kein Tauschmittel mehr, wahrscheinlich war es das nie. Geld ist heutzutage mehr Statussymbol und Waffe. Doch was ich gerade schreibe, ist nicht richtig. Es ist nicht das Geld an sich. Geld sind nur bunte Scheine und Münzen. Geld ist Energie wie jede andere. Was Mensch daraus macht oder besser dahinter veranstaltet, ist was mich im Großen wie im Kleinen oftmals ängstigt. Gestern hatte ich auf Facebook einen sehr interessanten und inspirierenden Austausch mit einigen Menschen zu diesem Thema. Viele sprachen von inneren Blockaden und Ablehnung von Geld, die es noch zu bearbeiten gäbe, von Selbstverantwortung. Nur wenige stellten offen die Überlegung an, Geld nicht als lebensnotwendig anzusehen. Dabei ist Geld existenznotwendig.

Mir half und hilft diese deutliche Formulierung und Definition, mich und meinen Standpunkt klarer zu sehen, innere Themen zu betrachten und zu lösen und auch systemische Verankerungen zu entdecken, auf die ich als Einzelne scheinbar keinen oder nur wenig Einfluss habe. Das half mir, eine Hilflosigkeit in mir zu entdecken. Denn auch wenn es so mancher nicht wahrhaben will, können wir unsere inneren Blockaden und Glaubenssätze noch so sehr bearbeiten und uns finanzielle Unabhängigkeit wünschen. Fakt ist, dass diese Thematik mit der Zeit pervertiert ist. Sie hat für mich eine Energie, die von Schuld, Machtmißbrauch, Täter- und Opferdasein durchwuchert ist. Klar, ich kaufe so gut es geht regional, verzichte auf fehlgeleitetes Konsumverhalten, achte auf Inhaltsstoffe und Konzernphilosophien. Doch ich habe keine Chance, den Miet- oder Benzinpreis zu beeinflussen. Selten gibt es Menschen, die Leistung gegen Leistung tauschen, statt bunte Scheine haben zu wollen, denn auch sie müssen Miete bezahlen. Glaubt Ihr im Ernst, dass wir Geld zum Leben brauchen, um einem anderen und dessen Tun für uns respektvoll anzuerkennen? Ich bin froh, um jene, die dies nun wenigstens schon auf Existenzebene leben und für gute Leistung gut zahlen, gute Arbeitsbedingungen fördern und nicht im Billigsektor einkaufen. Doch mal Hand aufs Herz, wer kann sich das wirklich auf Dauer leisten? Dann noch im Bio-Laden einkaufen, ökologisch korrekte Kleidung tragen und das auch noch für die ganze Familie? Auch hier müssen (faule) Kompromisse her, ist irgendwann und recht schnell die Grenze von Selbstbestimmung und Selbstverantwortung erreicht.

Ich habe keine Angst davor, das Leben beenden zu müssen, weil die Luft nicht mehr zum Atmen reicht oder meine Organe versagen. Ich habe Angst davor, mein Leben nach einer Existenz ausrichten zu müssen, die mir unnatürlich erscheint. Leben ist Geben und Nehmen. Existieren auch, nur an manipulierte Bedingungen geknüpft. Und aus natürlichen Abhängigkeiten wird druckhaftes Be-Dienen. Es gilt nun für mich anzuerkennen, das Leben an Existenz gekoppelt ist in diesem Spiel. Die Herausforderung scheint, aus Existenzangst Existenzfreude zu machen. Gelingt es mir? Gut möglich, denn aus ehemaliger Lebensangst ist bei mir große Lebensfreude geworden. Vielleicht ist es unmöglich, denn dieses Existieren ist systemisch verankert und entzieht sich somit ein Stück weit meines Einflusses. Doch wie immer gilt: Ich halte das Unmögliche für möglich. Und vielleicht, wenn wir eines Tages begreifen, dass wir ganz viele sind…

Existenz

2 Kommentare

  1. 8-7-2014

    Liebe Kristina, wohl gesprochen, kann ich da nur sagen. Vielen Dank für diesen wunderbaren Artikel. Mehr davon! 🙂
    Ganz herzlich, Barbara

    • 8-7-2014

      Dankeschön liebe Barbara! Ich arbeite daran. 😉
      Herzgruß zurück, Kristina

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