Gepostet von am Sep 16, 2015 in 2015 - Jahr des Ankommens

Heute schrieb mir eine Freundin, Träume könnten nicht sterben, nur Illusionen täten das. Träume würden sich verändern, entfalten, wenn wir dazu bereit wären. Wieso sollte ein Traum nicht sterben können? Ist ein Traum nicht nur eine bevorzugte und durch stimmigeres Empfinden untermauerte Illusion? Sind nicht beide Gefühldanken-Konstrukte und somit per se Illusion?

 

Wir kommunizieren uns in eine lähmende Sprachlosigkeit oder lärmendes Nichtssagen

 

Diese Fragen geben einigen Stoff zum Philosophieren, Debattieren, Hin- und Herwendens und Neudefinierens. Doch mir gaben sie heute andere Bilder und das Thema „Der Raum ohne Worte“. Es geht um unsere Hauptart der Kommunikation. Mir ist, als würden wir vor einem großen Werkzeugkoffer stehen, hätten uns den Hammer herausgenommen und würden seit langem versuchen, mit ihm Schrauben einzudrehen und uns wundern, warum das nicht so gut klappt, wie das Einschlagen des Nagels noch vor ein paar Augenblicken. Anstatt nun zum Werkzeugkoffer und dem Moment des „Nullwissens“ samt großer Lernbereitschaft zurückzukehren, reiben wir uns auf an Definitionen von Hammer, Nagel, Schrauben und daran, welche Form des Hämmerns nun die richtige sein könnte, die Schraube ins Holz zu bekommen.

Wir benennen Dinge, Zustände, Wahrnehmungen in einer antrainierten Art und Weise, die es uns a) scheinbar schwer machen, wirklich einen neuen Blickwinkel einzunehmen und b) die dadurch ihre innewohnende Reinheit verlieren, wenn wir obendrein auch nur in der Lage und gewillt wären, diese zu erkennen. Es bleibt ein (neu) Definieren von Definiertem, ein Jonglieren mit Worten, die manchmal nicht im Ansatz wiedergeben, was wirklich da ist oder es durch die Definition als solches sogar zunichte machen (können). Es bleibt ein Verweilen im Kopf, im besten Falle mit ein wenig Herz-Gewürz, untermalt von etwas Seelenbalsam. Es bleibt intellektuell, bleibt für mich ein Schwimmen an der Oberfläche, im besten Falle ausgestattet mit Schnorchel zum kurzzeitigen Gang unter die Oberfläche. Doch es bleibt eben auch der Versuch, eine Schraube mittels Hammer in Holz zu schlagen.

 

Die Evolution unserer Kommunikation

 

Wir Menschen behaupten immer mal wieder, wir seien deshalb die Krone der Evolution, weil wir sprechen können, Worte benutzen können, um uns zu verständigen. Ich behaupte, wir stehen an einer neuen Schwelle unserer Evolution. Wir können uns weiterentwickeln und eine andere Form der Kommunikation wiedererlangen. Viele von uns haben sich an den „Raum der Stille“ erinnert. In diesem Raum gibt es nichts zu tun, als nur zu sein, der oder die wir sind. Hier brauchen wir nur zu atmen und uns der Gewissheit hinzugeben, dass wir gut sind, genau so wie wir in diesem Moment sind, dass wir alles sind und in uns tragen, was wichtig und richtig für den/die Einzelne/n ist. In diesem „Raum der Stille“ erfahren wir etwas, das wir im Nachgang mit Einssein und Erleuchtung betiteln. Es gelingt nur selten, die richtigen Worte zu finden, um einem anderen zu beschreiben, was in diesen Momenten im „Raum der Stille“ vor sich geht und was sich in uns bewegt, lassen wir uns wirklich auf diese Momente ein.

Im „Raum ohne Worte“ geschieht meiner Erfahrung nach noch etwas Unbeschreiblicheres. Während ich den „Raum der Stille“ vor allem allein erfahren kann, ist mir die Kraft des „Raums ohne Worte“ erst im Zusammensein mit anderen Menschen bewusst geworden. Dass da ein Raum existiert, an dem es keine Worte gibt, weil es sie dort nicht braucht und sie auch gar nicht ausreichen würden, um die Kraft zu erfahren, ahnte ich in Ansätzen schon länger. Welche immense und transformierende Kraft in ihm erlebbar ist, wurde mir erst vor kurzem klar. Es waren Begegnungen mit Menschen, die bereit waren, alle Worte hinter uns zu lassen und gemeinsam durch den „Raum der Stille“ in den „Raum ohne Worte“ einzutreten. Ich bekomme jetzt noch eine Gänsehaut und mir entziehen sich jegliche Worte, es zu beschreiben, erinnere ich mich an diese Momente. Doch ist meine Aufgabe, davon zu berichten und so versuche ich es für Euch dennoch in Worte zu fassen. Stellt Euch Menschen vor, die um den „Raum der Stille“ wissen, ganz gleich, ob sie ihn in Meditationen und/ oder beim Eintauchen in die Natur erleben. Diese Menschen wissen, was es bedeutet, sich als Beobachter das eigene Sein, Leben und die Welt zu betrachten. Und nun gehen diese Menschen miteinander noch einen Schritt weiter. Sie wissen um das Einssein mit allem und mit diesem Wissen betrachten sie alles, was um sie ist und besonders ihr Gegenüber. Beide Betrachter tauchen nun ineinander ein, über einen tiefen Blick in die Augen des Anderen. Beide geben sich dem Tauchgang völlig hin, bereit, jegliche Gedankenkonstrukte, Definitionen etc. außen vor zu lassen und ganz rein in dem Moment zu versinken.

Was ich hier beschreibe, ist für manchen vielleicht nur ein tiefer Blick in die Augen eines anderen Menschen. Doch es ist weit mehr. Es ist ein Eintauchen ins Einssein. Ein bewusstes Fallenlassen in das, was wir Schöpfung, Universum oder das Göttliche nennen. Meinen Gegenüber flossen Tränen, während sich die Lippen zu einem tiefen Lächeln formten. Schmerz zeigte sich und wandelte sich in Bruchteilen von Zeit in Freude. Wir spürten eine tiefe Verbindung zueinander, von der wir wussten, dass sie schon immer da, nur in Vergessenheit geraten war. Diese Verbindung brachte in uns etwas zum Klingen, das im „Raum der Stille“ vielleicht erahnt und im „Raum ohne Worte“ als existent erfahren wurde. Wir tauchten gemeinsam wieder auf und eigentlich war nichts passiert außer einem tiefen Blick in die Augen und doch war nichts mehr wie zuvor. Wir haben nicht ein Wort miteinander gewechselt und so viel und vor allem konstruktiv kommuniziert, dass es fast nicht vorstellbar ist.

 

Stufen einer neuen Kommunikation

 

In der „Werkstatt des Lebens“ versuchen wir, etwas zu erschaffen. Im „Raum der Stille“ gestatten wir uns, die Dinge zu betrachten, was sie sind, nicht was wir glauben, das sie sind. „Der Raum ohne Worte“ ist für mich der Moment, in dem wir mit der Intension, etwas begreifen zu wollen und leeren Händen zurück zum Werkzeugkoffer gehen, um die Verbindung zu etwas Kompletterem wiederherzustellen, die uns dann neue Handlungsmöglichkeiten (nicht nur in der Kommunikation) eröffnet.

Um wieder wahrhaft miteinander kommunizieren und auf diesem Planeten etwas verändern zu können, ist es meiner Meinung nach nötig:

  • zu erkennen, dass wir mit einem Hammer keine Schraube dienstbar in Holz bringen können
  • Hammer und Schraube und alles Gerede darum ablegen und uns im „Raum der Stille“ auf uns selbst besinnen und uns eingestehen, dass wir mit illusionären Mitteln versucht haben, etwas zu erreichen, was mehrfach nicht von (oder nur von mäßigem) Erfolg gekrönt war
  • uns zu erlauben, mit unseren Mitmenschen, mit denen wir eine Familie, ein Kunstwerk, ein Projekt, eine bessere Welt etc. erschaffen wollen, die Verbindung im „Raum ohne Worte“ zu erneuern, die so viel Gerede unnötig macht, Wunden heilt und neue Möglichkeiten eröffnet

Ursprünglich mag es einmal genau anders herum funktioniert haben. Wir wussten um die Verbindung von allem im „Raum ohne Worte“, fanden uns selbst im „Raum der Stille“ um uns als Individuum begreifen zu können, um dann in der „Werkstatt des Lebens“ gemeinschaftlich und einzeln etwas zu erschaffen. Und da haben wir uns bzw. diese tiefe Verbindung zwischen uns im wahrsten Sinne des Wortes aus den Augen verloren, wenngleich das Wissen darum noch fest in uns verwurzelt ist. Vielleicht ist genau das der Grund für die kollektive Sehnsucht nach Zugehörigkeit und Gemeinschaft. Vielleicht ist genau das der Grund, warum wir uns seit Jahr(zehnt)en so mit der Sinnsuche, mit Meditation etc. beschäftigen, während uns das leere Gerede von Politikern, Intellektuellen, Gurus und anderen Blendern mehr und mehr auf die Nerven geht. Vielleicht vereinsamen wir immer mehr, weil uns die leeren Blicke der Mitmenschen (und unsere eigenen) letztlich doch nur daran erinnern, dass da etwas existiert, was Lösung sein kann.

Ich behaupte, wir brauchen vorerst keine neuen Projekte, Konzepte, Definitionen, Pläne oder was weiß ich noch für Worte. Was wir zuallererst tun sollten, ist den Mut aufzubringen, uns gegenseitig, mit leeren Händen und offenem Herzen in die Augen zu schauen. Dafür braucht es keine großen Worte. Und dort, wo wir uns dann treffen, braucht es auch keine, denn das ist „Der Raum ohne Worte“.

Kommunikation

photo: pezibear | pixabay.com

 

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