Gepostet von am Sep 4, 2015 in 2015 - Jahr des Ankommens

Gestern Morgen bin ich wie so oft meiner Intuition und meinem Selbstheiler gefolgt. Ich habe mich an meine Tastatur gesetzt, ohne wirklich zu wissen, was für ein Text am Ende entstanden sein wird. Ich kreierte einen Text über Abschied, Liebe, Träume und Scheitern. Es entstand ein Blog-Artikel, wie ich schon viele schrieb: authentisch, gefühldankenvoll, voller Fragen und Antworten und einigen Überraschungen.

 

Liebe, Traurigkeit, Schmerz und Opferbereitschaft

 

Eine Überraschung war, dass dieser Artikel nach nur einem Tag der Veröffentlichung zu den meist gelesenen meines Blogs zählt. Das erfüllt mich zum einen mit freudiger Dankbarkeit. Was mich jedoch zwischen den Zeilen von Euch, liebe LeserInnen erreicht, lässt mich nun diesen neuen Artikel schreiben. Im gestrigen Artikel verarbeite ich, dass ich eine Seelenbegegnung erlebte, die kurz darauf vom anderen jedem Anflug von Romantik enthoben wurde. Das war seine Entscheidung, nach einem Treffen, das uns beide erleben ließ, wie es sich anfühlt, wenn wahre Liebe fließen darf und kann.

Ich zog mein Fazit unter Betrachtung vieler Fakten und kam zu dem Schluss, dass in mir ein Traum existierte, der mich nicht mehr nährte, sondern wie eine Möhre vor meinem Gesicht baumelte, unerreichbar, Unwohlsein und Unglück verursachend. Ich habe mich verabschiedet, befreit und für etwas Neues geöffnet. Ich kann Euch nicht sagen, wie viel Traurigkeit und Schmerz mich von Euch erreicht. Ich spüre so viele unverarbeitete Geschichten, so viel ungefühlten Schmerz, so viel nicht durchlebte Traurigkeit. Auch jede Menge Wertung, Verurteilung und Opferbereitschaft spüre ich.Und deshalb schreibe ich Euch jetzt.

 

Liebe und Fakten – Die Mischung macht´s

 

Noch einmal zu meiner Geschichte. Ich bin tief dankbar für das Erlebte. Tief dankbar, dass meine Geschichte nach unruhigen fünf Jahren eine neue Begegnung erlebt und Frieden erfahren durfte. Tief dankbar, weil ich Gewissheit, Freude, Nähe, Inspiration und Momente mit einem wundervollen Menschen geschenkt bekam. Ich bin tief dankbar, für all die Erkenntnisse, derer die am größten sind, die nur mich betreffen, mit ihm nur wenig zu tun haben. Ich bin tief dankbar, dass ich mich durch seine Augen sehen durfte. Was für ein Geschenk! Denn das, was ich da sah, war und ist einfach nur wundervoll und liebenswert. Ich bin tief dankbar für seine Offenheit, schenkte sie mir nicht nur Klärung, sondern zeigte sie mir auch, wie wertvoll ihm unser erneutes Begegnen war. Ich erzählte ihm an diesem Tag, dass ich ein Mensch bin, der Ehrlichkeit, auch wenn sie schmerzen könnte, mehr schätzt, als höfliches oder gar feiges Verhalten. Mutig zeigte er sich mir, wohl ahnend, etwas Schmerzhaftes in Gang zu setzen. Ich bin tief dankbar, für die Liebe, die ich fließen spüren durfte, die Augenblicke, da sie ebenso in mich, wie aus mir floss. Diese starke Energie, die Welten aus den Angeln heben kann.

Ich habe mich gestern entschieden, statt wieder einmal in Hoffnung zu ertrinken, mich am Glauben abzuarbeiten oder in zäher Kleinstarbeit immer und immer wieder mit den Nuancen der Thematik zu beschäftigen, meinen Traum loszulassen. Nicht der Seelenpartner ist es, auf den ich mich fokussierte, nicht das Gestern oder das Morgen. Das Erkennen, dass mein Traum über die Jahre zu einer Möhre vor meinem Gesicht geworden war, ließ mich loslassen. Jede Zelle in mir, jeder Gefühldanke sagte mir: es ist soweit. Ich habe erkannt, dass nur einer mir diese Möhre vor das Gesicht gehängt hatte, zumindest nur einen, der ihr immer wieder nachjagte: ich. Das meiste vom empfundenen Schmerz hat nichts mit dem anderen zu tun oder mit dessen Entscheidung, sondern nur mit meiner Bereitschaft, immer und immer wieder das Gleiche zu erleben: Mein Traum geht nicht in Erfüllung.

 

Einladung: Fühlt den Schmerz, trauert und entscheidet Euch neu für die Liebe

 

Nun zu Euch, liebe LeserInnen. Ich mag Euch von ganzem Herzen einladen, Euch und Eure Geschichten ganz ehrlich zu beleuchten. Wie viel von Eurem Schmerz hat wirklich mit dem anderen zu tun? Stecken nicht auch alte Verletzungen dahinter, generell zu wenig geliebt oder angenommen worden zu sein? Wie viel von Eurem Schmerz habt Ihr wirklich, in aller Tiefe und Heftigkeit gefühlt? Konserviert Ihr ihn nicht zum Großteil, um ihn nicht auf allen Ebenen spüren zu müssen, weil das wirklich einen Augenblick echt weh tut oder gar, um ihn bei Bedarf immer wieder aktivieren und leiden zu können? Oder pflegt Ihr nicht auch ein paar Träume, obwohl Euch das Leben immer wieder zeigt, dass sie, zumindest in Nuancen, einfach nicht gut für Euch sind?

Ich mag Euch von ganzem Herzen einladen, Euch Eurem Innersten zu stellen. Zieht den Fokus aus dem, was war oder hätte gewesen sein können. Spürt rein und betrachtet Euch ganz ruhig alles das, was wirklich da ist. Gestattet Euch, Euren Schmerz bis in die tiefste Tiefe zu fühlen. Nicht die Dauer des Schmerzes ist für die Verarbeitung entscheidend, sondern die Tiefe, in der wir ihn erleben. Befreit den anderen von Eurer Ent-Täuschung, dass die Dinge anders kamen, als Ihr sie gern gehabt hättet. Befreit Euch von der Schwere, die Euer Herz belastet und die Liebe, zu wem oder was auch immer, nicht so frei fließen lässt, wie Ihr dazu in der Lage seid. Wahre Liebe erleben zu dürfen ist ein Geschenk. Und dieses Geschenk erhalten wir, um reifen zu können, um Liebe noch tiefer empfinden und leben zu können.

All das habe ich getan und werde es in in Nuancen vielleicht immer mal wieder tun müssen, weil sich noch etwas zeigt. Doch ich spüre nur noch einen sanften Trauerflor und ganz viel Liebe. Denkt immer daran: Liebe hat viele Gesichter. Sie kann sich dann am freiesten entfalten, wenn wir sie nicht durch Bilder, Konstrukte oder Definitionen begrenzen. Ich freue mich jedenfalls auf die nächsten Begegnungen mit diesem Menschen, der mir letztlich gezeigt hat, was alles möglich ist und der in mir Ahnungen weckte, wie viel Mehr da noch geht. Ein weiterer Mensch in meinem Leben, der mir half, mich von Altem und nicht mehr dienbaren Konstrukten und Bildern zu befreien. Wie könnte ich anders, als voller Freude, Dankbarkeit und Liebe sein? Und ich freue mich auf die Liebe, die sich nun mit neuen Gesichtern in meinem Leben zeigen kann. Ich wünsche Euch viel Mut, Euch zu begegnen. Ich bin mir sicher, Ihr werdet überrascht sein, wie viel Wundervolles es da zu entdecken gibt.

 

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photo: ThePixelman | pixabay.com

3 Kommentare

  1. 9-4-2015

    Danke für diese Zeilen! Ich fühle zutiefst mit dir und unterschreibe dir jedes einzelne Wort! DANKE!

    • 9-4-2015

      Danke fürs Lesen Sylke! Alles Liebe für Dich ♥
      Kristina

  2. 9-13-2015

    Liebe Frau Hippe,
    heute habe ich so viel Lust und Freude Ihnen zu schreiben – dass ich es auch tue. Oftmals sind es ja die „oh, ich will doch wieder schreiben“-Gedanken, die dem tatsächlichen tun dann im wege stehen. Heute hatte ich freie Fahrt. Schaue, was Sie schreiben – und staune, bin ergriffen und erkläre es mir damit, dass es so sein musste. Sie schreiben über die wahre Liebe, über dieses Geschenk, das unser Reifen erst ermöglicht.
    Dies innerlich – zutiefst – zu fühlen hat mich mit Ihnen bekannt gemacht. Hat mich zu einem Buch geführt, in dem Frau Leibovici-Mühlberger über die ICH-begründende Kraft der Liebe schreibt. Durch Ihr Buch kann ich sie verstehen.
    Das ist es, was ich Ihnen sagen will. Und was ich umso mehr sagen möchte in Verbundenheit zu Ihrem Text – zu Ihrer Erfahrung.
    Erst jetzt – geschieden, zwei erwachsene Söhne,beruflich erfolgreich, keinen Lebenspartner – weiß ich um die unfassbare Kraft der Liebe. Ich durfte sie erleben. Und dieses erleben lebt in mir.
    Ihre Erzälungen sind mir wie Botschaften: „Ja, und was Du erlebt hast, wirst Du wieder erleben können!“
    Ich danke Ihnen sehr, Botschafterin!
    Herzlichst, Jürgen Rade

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