Gepostet von am Dez 8, 2015 in 2015 - Jahr des Ankommens

Winter 2015 – In der Welt brodelt und kocht es. Selbst die Natur scheint sich nicht wie gewohnt in einen festen Winterschlaf begeben zu wollen. Die Temperaturen bleiben vergleichsweise mild, sodass sich der schon wieder nahende Ausbruch von Bäumen und Sträuchern viel genauer beobachten lässt, als noch einige Jahre zuvor. Nichts scheint wie gewohnt bleiben zu wollen. Winter 2015 – Zeit, der deutlicher werdenden Veränderungen und Zeit, viele Dinge anders zu machen.

 

Wege mit Freude – Höre auf zu funktionieren

 

Winter 2015 – So manches Mal werde ich gefragt: „Was ist gerade los bei dir?“ Hier meine Antwort: „Einiges.“
Zum einen das ganz normale Leben. Termine hier, ein paar Erledigungen da. Alles schon recht entschleunigt, schaue ich mich orientierend in meinem Umfeld um. Kein Vorweihnachtsstress, keine Familien- oder andere Beziehungskriege, kein aus den Nähten platzender Kalender und kein damit einhergehendes stetiges Kraftreserven anzapfen. Das ist nicht neu.
Zum anderen komme ich seit ein paar Jahren der Natur wieder näher. Ich wandere, beobachte und genieße viel unter freiem Himmel und mein Bio-Rhythmus zeigt mir jedes Jahr deutlicher, dass auch er immer mehr zurückfindet in den natürlichen Ab- und Kreislauf. So spüre ich den starken Drang des Rückzuges von Körper, Geist und Seele, wie es sich für die Winterzeit und die Monate November/Dezember gehört. Die Kräfte kehren sich nach innen, das Streben ins Außen wird weniger, es wird stiller. Doch auch dieser Prozess ist nicht neu.
Neu ist, dass ich in meiner eh schon sehr entschleunigten, ruhigen, sehr friedlichen eigenen Welt, noch mehr aufhöre zu funktionieren. Es ist nicht nur das bio-rhythmische Stiller Werden des Winters, sondern eine täglich stetig schwindende Bereitschaft, eigene (oder geschweige denn die anderer!) Verhaltens- und Denkmuster zu bedienen, in gewohnten, freudlosen Konditionierungen zu bleiben. Ich beginne immer mehr zu leben und höre noch mehr auf, zu funktionieren.

 

Woran erkenne ich Erfolge des Fortschritts?

 

Ich habe mich dieses Jahr einmal mehr, bewusst und intensiv dazu entschlossen, mir meinen Lebensweg einfacher zu gestalten, leichter zu sein und nicht nur meinem Umfeld, sondern auch mir viel mehr Freude zu bereiten. Aktuell stelle ich nun eben fest, dass mir bestimmte Pläne, Projekte, Verhaltensweisen, Gedankengänge etc. gar keine oder nur wenig Freude bringen. Oder dass sie mir zu bestimmten Zeiten, da ich meine, sie bedienen zu wollen oder gar zu müssen, regelrecht Unfrieden bescheren. Ich habe nun in den letzten Tagen und Wochen den Selbstversuch gewagt und Dinge nur noch gemacht, wenn mein Herz richtig laut „Ja!“ sagte, die Kraft zur Umsetzung direkt aus meinem Inneren in meine Gliedmaßen floss und sich die Dinge in unglaublich kurzer Zeit, fast von selbst erledigten. Allein deshalb verspürte ich direkt im Nachgang ein Gefühl von Erfolg. Obendrein zeigte sich noch mehr Erfolg durch das Gelingen im bzw. durch positives Feedback von Außen. Dabei spielte es keine Rolle, ob es um so simple Dinge wie Putzen, Backen, Schreiben, Selbstentwicklung, die Buchhaltung, Projekte oder das Kontaktieren anderer Menschen ging. Alles, was mit weniger Intuition und anders angegangen wurde, endete meist sehr unbefriedigend. Allein das war und ist schon sehr spannend, hochinteressant. Über all die Nebenwirkungen dieser Herangehensweise könnte ich weitere Seiten füllen bzw. gelingt es mir kaum, sie in Gänze zu erfassen. Und warum auch? Dem Leben vertrauen, sich dem Leben anvertrauen, immer wieder „Nein, danke.“ zur ständigen Selbst-Kontrolle. Punkt.

Und wie es immer so ist, wenn wir uns bereitwilliger ins Fahrwasser unseres Herzens-Lebensflusses begeben, nehmen die Dinge irgendwann, wenn auch nicht immer zauberhaft, doch wie von Zauberhand ihren Lauf. Erst gestern habe ich mich mit einem Freund dazu ausgetauscht. Ich sagte ihm, dass es sich für mich unglaublich komisch anfühlt, immer noch mehr zur Ruhe zu kommen. Ich erzählte ihm, dass ich viele Momente des Tages damit zubringe, mich dabei zu beobachten, wie ich mich einerseits zur Ruhe kommen lasse und mich zum anderen dabei sehe, dass ich mit schlechtem Gewissen und großem Leistungsdruck konfrontiert bin. Egal, wie viel oder wie wenig ich an einem Tag tue/leiste, egal, welche Lebensbereiche es betrifft: es ist nicht genug, es ist nicht gut genug. Dieser Druck und die Selbst-Be- und -Abwertung verursachen in mir einiges. Freude gehört da definitiv nicht dazu. Mein Freund, der mich und meine Lebensgeschichte sehr gut kennt, sagte in seiner trockenen Art übrigens nur: „Wird doch Zeit, dass Du endlich zur Ruhe kommst.“ (Wir wussten beide, dass wir über die Auswirkungen meiner Kindheit sprachen, die als solches gar nicht existierte und von permanenter Über-Forderung gekennzeichnet war und davon, dass wir in einer Leistungsgesellschaft leben, in der Mensch wenig wert ist, weil nur Leistung/Geld zählt.) Als ich diesen Satz aus seinem Mund hörte, lehnte sich in mir etwas, vor Entspannung aufseufzend zurück und ich überließ mich dem immer noch sehr ungewohntem Gefühl, dass meine bloße Existenz Lebensberechtigung genug ist.

 

Gib dem Muss ´nen Kuss und es verursacht letztlich doch Freude

 

Den ersten Teil der Überschrift las ich mal irgendwann bei Robert Betz und kann diese Herangehensweise nur empfehlen. Es gibt Dinge, die müssen erledigt werden, da sie schlicht zum Spiel gehören und von bestechender Logik sind. Zum Beispiel fühle ich mich in einem sauberen Umfeld wohl, ergo muss ich hin und wieder die Putzlappen in die Hand nehmen. Ich esse gern von sauberem Geschirr, ergo muss ich benutztes spülen. Ich fühle mich gern wohl in meiner Gesellschaft, ergo muss ich Körper- und Seelenhygiene betreiben. Ja, es gibt so ein paar „Muss“, die unabdingbar sind, soll mir mein Leben Freude machen. Und dann gibt es noch die anderen.

Ich muss nichts leisten, muss nicht ständig etwas tun, das man im Außen sehen und beurteilen kann. Ich muss nicht ständig nach dem Sinn im Leben suchen oder dem meinen einen noch höheren Wert geben wollen. Ich muss gar nichts tun, von dem ich nicht mal im Ansatz überzeugt bin, dass es auch nur irgendeinen Hauch von Freude beinhaltet oder hervorrufen könnte. Ich muss nicht ständig für andere da sein (wollen), muss mich nicht permanent dem Außen zeigen wollen müssen. Ich muss nicht so oft auf meinen Unzulänglichkeiten herumreiten und meinen, sie ändern zu müssen. Ich muss das Muss nicht küssen, wenn ich finde, dass es Mundgeruch hat oder ich keine Lust zum Küssen habe.

Zu meiner Freude zu finden ist für mich gefühlt seit Jahren ein langer Weg. Es beruhigt mich, dass ich, obwohl ich es mir gewohnter und konditionierter Weise oft zu schwer gemacht habe, dennoch auf dem richtigen Weg geblieben bin. Es freut mich, dass der Weg mit den Jahren immer leichter, ja gar einfacher wurde und wird. Manchmal kann ich es nicht benennen oder be-greifen, was sich da gerade alles verändert, brauche etwas Zeit und Hilfe, um zu erkennen, was verändert werden will und was nicht. Mein Weg ist in manchen Phasen noch sehr ungewohnt. Doch auch das ist ein Prozess, der Zeit und viel Liebe braucht. Ich finde, er lohnt sich, wenngleich er auch hin und wieder so manch sicher geglaubten Teppich unter den Füßen wegziehen kann.
Dieser mein Weg lohnt sich. Nicht zuletzt, weil ich mich, wie heute Morgen geschehen, nach Ewigkeiten mal wieder beim Tagträumen beobachte und dabei Freude empfinde, frei von schlechtem Gewissen, gerade mal nicht zu funktionieren.

 

Freude

Photo: annamaria_zz | pixabay.com

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