Volkskrankheit „Ich meine es doch gut mit dir“ oder Furz (t) du noch oder heilst du schon?

Gepostet von am Nov 10, 2014 in 2014 - Jahr des Entdeckens

Nicht selten meinen es Menschen gut mit uns und äußern dies, indem sie uns sagen, wie wir uns anders verhalten, was wir wie fühlen sollten, um das zu erreichen, was sie meinen, das für uns gut ist. Oder von dem sie zu wissen meinen, wir erreichen wollen. Sie meinen es so gut und sprechen doch so oft nur schlau von außen daher oder gar von oben herab. Ist ja alle Mal leichter und gewohnter, als vor der eigenen Tür zu kehren. Wer kennt sie nicht, diejenigen, die immer einen schlauen Spruch parat haben, die für uns immer wissen, was anstelle oder als nächstes zu tun sei. Jene, die wissen, wann welche unserer Emotionen ihre Daseinsberechtigung haben oder welche Dauer derselben angemessen ist.

Ein, am besten noch ungefragtes „Tu das lieber so und so.“, was nicht nur Besserweisserei ist, sondern das eigene Tun auch noch mit einem Satz als Scheitern wertet. Oder ein „Sei nicht mehr traurig.“ während einem der Allerwertesten noch immer voller Tränen steht. Jetzt hat jeder von Euch wenigstens eine spezielle Person oder Situation parat, da es Euch so ergangen ist, ein anderer es in dieser Form mit Euch gut gemeint hat, ohne, dass es Euch wirklich gut getan hat, stimmts? Wer von Euch ist nun noch so ehrlich, sich selbst zu entlarven, all das auch schon mit anderen getan zu haben? Das ist nämlich der nächste Schritt, um zu gesunden. Erst, wenn wir uns selbst ehrlich, ernsthaft, gern auch mit Freude und immer mit viel Selbstliebe auf den Prüfstand stellen, uns eigenes Missverhalten ein- und zugestehen und in der nächstbesten ähnlichen Situation anders re- oder agieren, kann Heilung geschehen.

Ich weiß sehr wohl, wovon ich da schreibe. Ich unterlag selbst sehr oft dem Irrsinn, ich wüsste, was für einen anderen das Bessere oder gar das Beste sei. Aufgrund meiner Erkrankung „Ich meine es gut mit dir“, die einherging mit dem manischen Helfersyndrom, meinte ich, allen Beteiligten Gutes zu tun, indem ich kaum eine Situation ausließ, meine letztlich besserwisserische Meinung kund zu tun. Mit zunehmendem klarem Bewusstsein, oder anders: fortschreitender Genesung, unterließ ich immer öfter, Rat-Schläge zu geben. Ich beschränkte mich immer mehr darauf, Rat zu geben, statt zu schlagen und immer nur, wenn ich um Rat gefragt wurde. In diesen Situationen wiederum verfeinerte ich mein Handeln, indem ich dazu überging, meine Wahrnehmung der Dinge zu äußern, statt Rat zu geben. Dies frei vom Anspruch, meine Sichtweise sei die passende für mein Gegenüber, frei von der Absicht, dem anderen seinen Weg aufzuzeigen, frei vom krankhaftem Trieb, seine Welt besser machen zu wollen. Dass nun mittlerweile gerade meine so geäußerten Sichtweisen für mein Gegenüber in den meisten Fällen tatsächlich die gewünschten Impulse beinhalten, nun, das liegt wohl in der Natur der Dinge, der Heilung. Oder in der Natur des menschlichen, meines Seins. Wie auch immer, es freut mich sehr. Nicht mehr, nicht weniger.

Wie jede Heilung ist auch die der Volkskrankheit „Ich meine es doch gut mit dir“ ein Prozess. Mal geht es schnell voran, mal braucht es seine Zeit, mal ist die Heilung sichtbar, mal arbeitet es im Verborgenen. Doch wie jeder anderen Heilung liegt auch dieser die Bereitschaft zu grunde, gesunden zu wollen, gepaart mit dem Glauben an sich selbst, es zu können, untermauert von dem Entschluss, die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen und etwas dafür zu tun. Menschen, Situationen, Zusatzprodukte können hilfreiche Begleiter auf dem Heilungsweg sein. Niemals sind sie jedoch die Heilenden als solches. Ebenso ist es wenig hilfreich, die Symptome der Erkrankung wieder und wieder zu beleuchten, wenn die Diagnose feststeht. Es spielt keine Rolle, wer sich warum angemaßt hat, zu wissen, was das Beste für uns sei oder wie oft wir unserer Prägung folgend, einem anderen damit zu nahe getreten sind. Es nützt nichts, sich immer wieder über jene aufzuregen, die es gut mit uns meinen, obwohl wir es besser wissen. Es bringt wenig Veränderung, wenn wir die Wichtigkeit des Verhaltens anderer über die Wirkung unseres eigenen Verhaltens stellen.

Kurz: Ein Furz riecht nicht besser, wenn wir immer wieder die Nase hinein halten. Wir können die Ernährung umstellen, was nachweislich die Anzahl und den Geruch dieser Ausdünstungen von „unerträglich“ zu „kann man aushalten“ ändern kann. Wir entscheiden, wie wichtig wir so einen Furz oder den, der ihn lässt, nehmen. Wir entscheiden, wie schuldig wir uns fühlen, wenn wir mal einen Furz lassen. Oder wie wir uns verhalten, wenn mal einer einen Furz lässt.

Die abschließende Frage „Furzt du noch, oder heilst du schon?“ wäre jetzt zwar witzig, doch unsinnig, denn Menschen (JA, auch Frauen!) atmen nun mal gelegentlich durch die Öffnung, die die Schöpfung am Allerwertesten gelassen hat. Das gehört wohl zum Menschsein dazu. Doch wir haben die Wahl, ob wir die Nase immer wieder in den Furz halten, uns über alles Mögliche und Unmögliche dazu Gedanken machen oder einen Furz sein lassen, was er ist: warme, meist übelriechende Luft. Wir entscheiden. Und gehören hoffentlich nicht zu jenen, die ständig einen fahren lassen, sich dadurch unglaublich wichtig nehmen und dann auch noch beschweren, weil es um sie herum stinkt.

Furz

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