Gepostet von am Jun 11, 2014 in 2014 - Jahr des Entdeckens

Kennt Ihr das auch? Das Gefühl, wenn etwas Bestimmtes, trotz liebevoller Annahme, Akzeptanz, Pflege und dem Willen, es zu erhalten, statt loszulassen einfach nicht mehr ins eigene Sein passt? Das Gefühl, das sich einstellt, wenn man den geliebten Wollpullover zum x-ten Mal doch wieder in den Schrank legt, statt ihn anzuziehen, weil nur ein einziges weiteres Loch eins zuviel sein könnte und er dann gänzlich auseinanderfällt? Oder wenn man in einer Beziehung lebt, die, egal was man tut, sich einfach nicht mehr gut anfühlt? Ich kenne dieses Gefühl nur zu gut. Loslassen ist in einem Leben, das in sich pure Veränderung ist, ebenso natürlich wie Atmen. Nur eben nicht immer so leicht einzuordnen, zu definieren oder umzusetzen. Wenn jedoch wie bei mir die Kunst zu Leben auf der AllTagesordnung steht, liegt es in der Sache selbst, dem Loslassen oder dem Erkennen und Umsetzen dessen, seiner ursprünglicheren Art, wieder näher zu kommen. Deshalb gibt es in meinem Schrank keine solcher Wollpullover, gibt es so manche Beziehung nicht mehr. Deshalb ist der Zopf ab.

Losgelassen habe ich meine Haare. Angenommen, akzeptiert und gepflegt habe ich sie besten Wissens und Gewissens. Ich habe liebevoll angenommen, dass meine Haare nicht im entferntesten der dicken, natürlichen Lockenwallemähne meiner Schwester ähneln und Freude über eigene Ansätze von Locken und Länge empfunden. Ich habe akzeptiert, dass sich meine innere Weisheit recht früh und deutlich in ihrer Farbgebung widerspiegelt. Ich habe die Haare mit Neemholz gekämmt, auf unechte Farbe schon länger verzichtet, Chemisches nur in Form von Shampoo aus dem Bio-Laden zugeführt. Doch immer stärker wurde dieses Gefühl, dass der Zopf so nicht mehr passt. Viele Male habe ich mir das Thema auf energetischer Ebene betrachtet, was es mir wohl sagen will, versucht, es noch mehr zu akzeptieren, mich noch mehr selbst zu lieben, genau so, wie ich bin. Doch der Zopf ist ab.

Wie es im Leben eben nun mal ist: Jedes Ding hat seine Zeit. Jede Entscheidung ihre Konsequenz. Es ist im Grunde ganz einfach und wohl genau deshalb tun wir uns mit vielem im Leben so schwer. Sei es mit dem Aussortieren eines alten Wollpullovers, der seine beste Zeit einfach hinter sich hat. Sei es mit der (vermeintlichen) Trennung von einem Menschen, der meist eine Weile Alleinsein folgt. Sei es mit dem Loslassen der eigenen Haare, die ihre Zeit brauchen, um nachzuwachsen.
Nun, mit Haaren ist es wie mit zwischenmenschlichen Beziehungen. Sind sie da und liebgewonnen, können Lebensverläufe und Entwicklungen dazu führen, dass alle Annahme, Akzeptanz, Pflege und aller Wille zu erhalten nichts nutzen und Wege sich trennen. Deshalb ist der Zopf ab. Doch zum Glück ist es mit Beziehungen wie mit Haaren. Sie wachsen nach. Ich freue mich darauf. Auf beides.

Zopistab

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