Gepostet von am Feb 26, 2015 in 2015 - Jahr des Ankommens

Eine meiner Ausdrucksformen findet sich in Farben auf Leinwänden wieder oder anders: ab und an male ich. Meist mit Acrylfarbe auf Leinwänden, seit gestern mit Wandfarbe auf Wohnungswänden. Immer mal was Neues ausprobieren oder das Beste aus der Situation machen. Es ergab sich eher aufgrund der Beschaffenheit des Materials, statt dem Vorhaben, mich künstlerisch Größerem zuzuwenden. Doch war es mal wieder ein Moment, da ich mich selber positiv überraschte und meine Sicht das Leben zu sehen sich als schön bewahrheitete. Ich wollte einem Zimmer mehr Flair verleihen und ein paar farbliche Akzente setzen. Es stellte sich heraus, dass die Tapete keine große Lust auf noch mehr Farbe hatte. Sie wurde schon mehrfach geweißt und ist einfach satt. Oder müde oder alt, ganz wie Ihr mögt. Da stand ich nun. In Malermontur, das Zimmer fast komplett ausgeräumt, die neue Farbe angerührt und bekam von der Tapete die Antwort, die ich im Zwiegespräch mit ihr schon vorher wusste. Folgendes spielte sich nun in mir ab:

Ich: „Ja, sag mal, kann ich mit Tapete reden?“ Mein anderes Ich (= M-a-Ich): „Naja, warum nicht?“
Ich: „Ach komm, lass mal trocknen, das deckt schon noch.“ M-a-Ich: „Nein, tut es nicht.“
Ich: „Bin ich zu kritisch? Vielleicht sollte ich es einfach etwas lockerer angehen?“ M-a-Ich: „Gefällt es dir?“ Ich: „Nein.“ M-a-Ich: „Na also.“
Ich: „Mist, das muss doch alles neu tapeziert werden.“ M-a-Ich: „Jo.“
Ich: „Puh, das wird noch mal Arbeit und Dreck.“ M-a-Ich: „Jo.“
Ich (langsam etwas genervt zwischen Wand und M-a-Ich hin- und herblickend): „Hmpf…“ M-a-Ich: „…“

Ich trat einen weiteren Schritt zurück und betrachtete mir die Situation. Die Ränder waren abgeklebt, die Farbe eingerührt. Die ersten Stellen der weißen Wand waren mehr oder minder von neuer Farbe bedeckt. Es juckte in den Fingern und die Gefahr bestand für einen Moment, dass die Tage der Tapete vorbei sein könnten. Doch bevor ich sie mit bloßen Händen herunterriss und das Chaos für mich noch größer machte, atmete ich tief durch. „Noch einmal weißeln und die Wand in den Ausgangszustand versetzen?“ Die Tapete flüsterte gequält: „Lass sein, ich kann nicht mehr und es sieht nur schlimmer aus.“

Dies war der richtige Moment, die Malerrolle fallen zu lassen und auf die Terrasse zu gehen. Emotionen und Gedankenkarussell Raum geben, durchatmen… und mit offenem Blick vom Wunder der Natur einfangen lassen. Die Sonne schien herrlich, die Vögel sangen ein tolles Konzert, die Bäume wippten sanft im leichten Wind, es roch nach nahendem Frühling. Mit dem nächsten tiefen Durchatmen waren die Emotionen raus, die Gedanken still und die Quelle in mir begann zu sprudeln. Also wieder rein, Pinsel geschnappt und ohne Nachzudenken führen lassen. Ein paar Striche da, ein paar Wellen hier und innerhalb kürzester Zeit entstand etwas, das ich mit dem Prädikat „Kann so bleiben“ versehen konnte. Die Tapete ächzte nicht mehr, sondern kicherte ob der kitzelnden Pinselstriche und nahm hie und da gern etwas von der neuen Farbe an. Nachdem ich weggeräumt und geputzt hatte, stand ich vor der neugestalteten Wand und dachte mir: „Ja schau mal einer an, das sieht richtig gut aus.“ Da meldete sich M-a-Ich wieder: „Es verwundert dich immer noch, was alles in dir steckt. Menschen sind echt komisch.“ und grinste sich liebevoll eins. Ich grinste mit. Neu tapeziert wird trotzdem demnächst.

Fazit: Alles kommuniziert, es liegt an mir, hinzuhören. Für den Übergang etwas richtig Schönes geschöpft – wenn es mit Wänden klappt, warum dann nicht also auch mit Gemeinschaften? Alles was ich schöpfe, gehört nach Vollendung losgelassen, denn auch das unterliegt der ständigen Veränderung. Und last but not least: Alles ist eins, ich entscheide, ob ich mich zugehörig fühle oder trenne.
Solche Situationen sind mir sehr viel lieber als ein „Philosophisches Quartett“, denn bei mir wird nicht nur geredet, sondern auch gehandelt. Eine tolle Kombination und sehr erfüllend. Prädikat: „Machbar“.

Mut

« Mut / 2012 / 25 x 25 cm » Wage den ersten Schritt aus dem Gewohnten und lasse dich vertrauend auf das ein, was da kommen will.

 

 

2 Kommentare

  1. 3-1-2015

    Alles was Du schöpfst, gehört nach Vollendung losgelassen?
    Na denn, kleiner Tipp: 😉 Die kreativ gestaltete Tapete in bildgroße Stücke schneiden und verkaufen, verschenken, o.ä. 😉

    • 3-2-2015

      Was eine coole Idee, Michael! Wird glatt intern notiert! 😀

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