Gepostet von am Apr 10, 2020 in 2020 - Die Welt verändert sich

Eine Geschichte besagt, dass Jesus, der sich aus Liebe zum Menschen ans Kreuz nageln ließ und aus dem Grabe wieder auferstand. Die Moral der Geschichte sei nun, dass einer, der anders ist und sich opfert, nicht dem Tode geweiht ist, sondern aufersteht. Das ist aber nur ein Gesicht der Geschichte.

 

Geschichten sind wie „Stille Post“

 

Geschichten gibt es viele. Ob sie besser, glaubhafter oder wahrer werden, wenn sie viele Menschen oft und lange genug erzählen, darf bezweifelt werden. Wenn Geschichten über so viele Jahrhunderte weitergetragen werden, sind sie vielleicht nicht wahr oder nicht genau so passiert. Sie beinhalten aber einen Kern, der die Menschen in all den Zeiten berührt haben muss, quasi einen Kern wahres (göttliches) Wissen.

Diese spezielle Geschichte und die offenkundige Deutung ihrer, ließ mich zweifeln. Zum einen, weil ich nicht dabei war, es miterlebt habe. Zum anderen, weil mich mein kurzes Leben bisher erfahren ließ, dass es so etwas wie „Stille Post“ gibt. Menschen verändern bei Weitererzählungen oder Übersetzungen immer die Klangfarbe des eigentlichen Wortes und damit die Geschichte selbst. Auch wenn Geschichten niedergeschrieben sind, bekommen sie immer das Gesicht des Lesenden.

Bei der Geschichte um Gott und Jesus wissen wir obendrein, dass die Verbreitung der einen Deutung stark zweckgebunden geschah. Wir wissen auch, dass die Absichten nicht die besten waren. Menschen wurden von Menschen damit klein gehalten, getrennt. Sie mussten dieses Gesicht der Geschichte glauben, ob sie wollten oder nicht. Aber Geschichten sollen doch Spaß machen und die Möglichkeit geben, etwas zu lernen und sich weiterzuentwickeln. Dafür muss man sich ihnen frei und offen annähern dürfen. Ohne Dogma, ohne Druck.

 

Was macht diese Geschichte mit mir?

 

Denke ich an die Kreuzigung, muss ich im ersten Moment immer an „Das Leben des Brian“ denken und schmunzeln. Gehe ich hier an einer der vielen gekreuzigten Jesus-Figuren vorbei, möchte ich ihn vom Kreuz nehmen, seine Wunden versorgen, ihm Kleidung und etwas zu essen geben. Dann frage ich mich immer wieder, wie Mensch so unfassbar kleingeistig sein kann, jemanden, der einfach nur anders ist und sich damit nicht versteckt, ans Kreuz zu nageln. Leider muss ich mich nur kurz im Weltgeschehen umschauen und bekomme meine Antwort: Weil Mensch oft unfassbar kleingeistig unterwegs ist.

Da kam also einer, der anders war, der anders dachte, Dinge anders tat, als andere. Dann bildeten sich wie so oft Lager: den einen Mächtigen machte er Angst, andere vergötterten ihn. Es kam, was dann immer kommt: die Macht der Mächtigen und der Anderen siegte; die einen veranlassten die Kreuzigung, die anderen ließen sie geschehen. Beides aus Angst. Und Jesus? Er erhob sich über die ewig menschgemachte Trennung und ließ sich kreuzigen. Aus Liebe.

 

Leben – Tod – Auferstehung – Kein Opfer, sondern Geschenk der Erkenntnis

 

Mein Gesicht dieser Geschichte ist folgendes: Vergötterung, Spaltung und Trennung, egal in welcher Form wir Menschen sie verursacht haben, können wir überwinden. Wir schaffen es durch das Begreifen, dass wir alle Eins sind, es immer waren und immer sein werden. Einzig unser menschlicher Kleingeist sorgt für all den Unfrieden. Der höhere Geist in jedem von uns ist in der Lage, Frieden sein zu lassen.

Mit der Auferstehung zeigten Gott und Jesus uns, dass uns der Kleingeist vergeben ist und wir mit größerem Bewusstsein wieder neu anfangen können. Begreifen wir, dass wir frei von alter Schuld den Funken „Gott“ in uns tragen, der unser Bewusstsein klar macht. Lösen wir unsere Angst auf und handeln in Liebe. Gerade heute am Karfreitg. Gerade jetzt in diesen besonderen Zeiten.

Also wenn ich als Atheistin an dieser Geschichte etwas wirklich glauben möchte, dann das.

 

 

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