Gepostet von am Apr 21, 2015 in 2015 - Jahr des Ankommens

Wir alle kennen diese Situationen. Egal ob das Familienfest, die Pause auf der Raucherinsel oder das Kaffeekränzchen im Verein. Wir treffen uns mit Menschen, mit denen wir blutsverwandt sind, gleiche Vorlieben oder Interessen teilen. Wir verbringen jede Menge unserer Lebenszeit mit ihnen oder wenigstens die, die etwas besonderes sein soll. Und dann erleben wir immer und immer wieder diese oder ähnliche Situationen: es wird getratscht, gehetzt oder Oberflächliches dahergeredet. Es wird über Fehlbarkeiten von Tante Erna hergezogen, die in 90 % aller Fälle nicht mal anwesend ist. Es wird über den Chef oder andere Vor-gesetzte geschimpft oder die neueste pfützentiefe Sendung eines Fernsehsenders diskutiert. Es wird über jene debattiert oder gewertet, die nicht die gleichen Interessen auf die selbe Art und Weise vertreten. Das alles wird dann als „lustige Feier“ oder „geselliges Beisammensein“ betitelt. Wer da nicht dabei ist, ist schon mal grundsätzlich „Out“. Es sollen besondere Situationen sein und doch ähneln sie eher einem Schlachtfeld als einem Festplatz.

 

Einsam unter Menschen oder doch lieber allein mit sich?

 

Diese Situationen sollen Verbundenheit demonstrieren. Ich bin mir sicher, es gibt so manchen, der sich in diesem Verbund einsamer fühlt, als allein, der lieber ganz woanders wäre, wo er sich wohler fühlen würde. So mancher, der die Nase voll davon hat, über andere zu reden, der sich danach sehnt, dass Menschen miteinander reden. Da ist mit Sicherheit so mancher dabei, der Verständnis für Tante Erna hat oder neben ihren Marotten noch viele liebenswerte Seiten sieht, der sich selbst eingesteht, dass er mit Hierarchien und Machtmißbrauch, statt dem Chef in persona ein Problem hat und das scheinbare intellektuelle Gerede der letzten Talkshow nur sinnfreies Gelaber war. Da ist mit Sicherheit so mancher dabei, der weiß, dass kein Mensch unfehlbar, aber jeder auf seine Art liebenswert ist. Einer, der ehrlich genug ist, sich einzugestehen, dass er jeden Tag aufs Neue in die Arbeits-Mühle geht und damit die Träume anderer verwirklicht, weil er selbst keinen Mut hat, die eigenen zu leben. Einer, der sehr wohl begriffen hat, dass es für die Flucht von Tausenden Ursachen gibt, die es zu beseitigen gilt, statt sich in engstirnigem und herzlosem Fremdenhass auf die zu stürzen, die eh schon am Arsch sind. Einer, der all das Getratsche, Gehetze und Dahergerede nur noch schwer erträgt, aber nicht weiß, was er tun kann. Wir alle kennen diese Situationen. Wenn du dich in diesen Situationen wohl fühlst, nichts an ihnen auszusetzen hast, sondern eher meinen Text befremdlich findest, dann mach so weiter wie bisher. Es ist dein Leben und dein gutes Recht, es so zu leben, wie es dir gut tut.

 

Du kannst mehr verändern, als dir vielleicht klar ist. Es ist ganz einfach. Tue es!

 

Wenn du dich in diesen Situationen unwohl fühlst, anderer Meinung als die Masse bist, dein Herz laut schreit ob der Ungerechtigkeiten, dann höre auf mitzuspielen. Du musst nichts erklären, diskutieren, nicht belehren oder bekehren. Du brauchst dir nur gewahr sein, dass du dich dort nicht wohlfühlst in genau diesem Moment. Und dann sage ganz still „Nein.“ zu diesem Spiel, nimm dich als Figur vom Brett und verlasse das Casino. Für dich ist der Einsatz zu hoch, denn nicht deine Familie, die Kollegen oder Vereinsbrüder, sondern deine Seele steht auf dem Spiel. Sage „Nein.“ zu dem, was dir nicht gut tut und gehe aus der Situation heraus. Bleibe nicht dümmlich lächelnd, innerlich argumentierend und äußerlich stumm dabei stehen. Nimm deine Figur vom Brett und suche dir ein anderes Spiel. Weder Blutsverwandtschaft, noch Arbeits- oder Vereinszugehörigkeit verpflichten dich, gegen deine eigene Wahrheit zu leben. Es ist dein Leben und dein gutes Recht, es so zu leben, wie es dir gut tut.

Ich schreibe oft „Zeige dich.“ und weiß selbst, wie schwer uns das oftmals fällt. Dabei ist es doch so viel einfacher, als gedacht. Ein „sich zeigen“ beginnt manchmal mit einem leisen Gehen. Ein neuer Anfang ist oftmals schon dann gemacht, wenn wir mit etwas Gewohntem aufhören. Höre auf, dich mit deiner bloßen Anwesenheit an solchen Situationen, die Schlachtfeldern ähneln, zu beteiligen. Stell dir vor, es ist Krieg und du bist der erste, der eines Tages die Waffen einfach niederlegt und geht.
In jedem von uns schlummert ein Held und manchmal ist ein stilles „Nein.“ und ein leises Gehen der laute Weckruf, auf den wir so lange gewartet haben.

Superhelden

photo: Erika Wittlieb | pixaby.com

 

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