Gepostet von am Dez 19, 2014 in 2014 - Jahr des Entdeckens

Ihr wisst vielleicht schon, dass einige mich für ziemlich verrückt halten. Ver-rückt, weil ich scheinbar eine Menge Dinge anders sehe, wahrnehme oder tue, als die anderen. Ich bin mir übrigens sicher, dass ich so viel verrückter als „die anderen“ gar nicht bin. Ich bin überzeugt, dass diese Verrücktheit eine Form von Kreativität ist, die in jedem von uns steckt, sich nur noch nicht jeder traut, der inneren Stimmen zu folgen oder es schlicht nicht will. Doch zurück zum Thema.

Ich bin ver-rückt. Oder auch abgerückt. Ich sehe viele Dinge anders als früher oder zu Zeiten, da ich sie so sah, wie mir andere weismachten, ich sie sehen sollte oder ich mir weismachte, anderen mehr glauben zu müssen als mir. Manches sehe ich heute mehr mit den Augen eines Adlers, als nur aus der Sicht einer Ameise, da ich festgestellt habe, dass die Dinge oftmals ganz anders sind, als sie auf den ersten, kurzen Blick zu sein scheinen. Aus der Adlerperspektive sehe ich mehr und erkenne mehr Zusammenhänge zwischen den einzelnen Geschehnissen. Ich bin ver-rückt und fühle mich einfach besser. Ich empfinde mein Leben als angenehmer, seit ich wieder öfter die Perspektiven wechsle, mir mehr vertraue und mehr staune.

Nehmen wir beispielweise den gestrigen Tag. Er hielt viele kleine Alltagssituationen bereit, die immer wieder ein Thema deutlich machten: vermeintliche Trennungen. Schwarz und Weiß, hüben und drüben, hin und her. War ich beispielsweise bis zum Mittag supergut gelaunt, ging mir alles bestens von der Hand, kippte das Ganze von einer Sekunde auf die andere ohne ersichtlichen Grund. War das Wetter bis zum Nachmittag angenehm und trocken, schüttete es am Nachmittag ohne Unterlass bis in den späten Abend. Aus Gesprächen mit drei Freunden erfuhr ich, dass es ihnen auch so ging. Jeder hatte seine Themen, woran er es erkannte, doch liefen die Fäden immer zusammen: der gestrige Tag zeigte glasklar vermeintliche Trennungen auf, die grundlos, unsinnig und manche sogar gefährlich anmuteten. Wir konnten uns jeder für sich oder auch im Gespräch miteinander darüber belustigen oder tierisch aufregen. Auch das, von einem Augenblick zum nächsten.

Ich hatte mehr und mehr das Gefühl, dass es nicht nur um mich oder eine Handvoll Freunde, sondern ums große Ganze, ums sogenannte Kollektive Bewusstsein ging. Wie sollte ich mir anders erklären, dass mehrere Menschen, die hunderte Kilometer voneinander getrennt sind, ähnliches erleben, es ähnlich empfinden? Natürlich wechseln Stimmungen, doch so schnell von fröhlich zu wütend und wieder zurück, fast zeigtleich mit anderen Menschen, die sich an ganz anderen Orten befinden und sich dies nachvollziehen lässt, weil sie eher „zufällig“ als geplant ins Gespräch kommen? Zeit für den Adler in mir.

Ich sehe nun die scheinbar unabhängigen Erlebnisse und Schilderungen aus der Adlerperspektive und erkenne für mich, dass sie alle zusammenhängen. Wie alles zusammenhängt. Nichts, aber auch gar nichts geschieht oder existiert losgelöst voneinander. Wir können uns noch so viele Definitionen, Rollen, Schubladen oder sonst etwas ähnliches verpassen, wir sind alle Menschen. Wir alle sind glücklich und traurig, gut und böse, wegen ähnlicher oder auch anderer Erfahrungen. Wir alle machen Fehler, weil uns Erfahrungen fehlen oder machen sie nicht mehr, weil wir aus unseren Erfahrungen gelernt haben. Wir alle sind Menschen, gleich an welcher Religion wir haften, welchem Guru oder Führer wir hinterherlaufen. Wir alle sind Menschen und sitzen im gleichen Boot.

Mögen wir uns erinnern, dass wir alle Menschen sind.
Mögen wir uns erinnern, dass wir niemandem folgen müssen, um ganz wir selbst zu sein.
Mögen wir uns erinnern, dass das Töten des Einen niemals das Leben eines anderen rechtfertigt.
Mögen wir uns erinnern, dass es so viele andere Möglichkeiten gibt, unsere individuelle Andersartigkeit kreativer auszuleben und daraus Gemeinschaft statt Lager entstehen zu lassen.
Mögen wir uns erinnern, dass wir zu viel Größerem im Stande sind, wenn wir bewusst wählen, wann es Zeit für die Ameisen- oder die Adlerperspektive ist.
Mögen wir uns sehr bald daran erinnern, sonst wird der von uns Menschen ramponierte Kahn alsbald untergehen, statt an neuen Ufern anzulegen.
Möge unser nächster kollektiver Gruß ein „Guten Morgen, Welt!“ statt ein „Gute Nacht, Marie.“ sein.
Ich hoffe es.

Bootpeople

 

2 Kommentare

  1. 12-22-2014

    Vielleicht landen wir bald beim „herzensreichen“ Gruß?
    Herzlich Willkommen bei den Ver-rückten, bei denen, die schon der stumpfen Welt mit ihrem „Normal-Null“ ent-rückt sind 😉
    Wohl dem, der/die wie Du sein eigenes Herzensreich entdeckt hat und darin lebt. Wenn das Herz die Wohnung der Liebe ist, dann werden wir aus dem Herz heraus nur noch liebevoll handeln, sprechen und denken können. Selbst äußere Dinge und Vorkommnisse können wir liebevoll betrachten. Es wird uns helfen, gelassen und ruhig zu handeln anstatt aufzuregen.
    Danke, dass Du Deine Erkenntnisse und Sichtweisen so „herzensreich“ formulieren und ausdrücken kannst.
    Auf Empfehlung kostete ich die Leseprobe des „Schokoladenkuchens“ und bekam Appetit auf andere „Gerichte“ aus dem HerzensReich. Das Jahr der Entdeckung macht seinem Namen alle Ehre 🙂
    Die Auswahl in dieser „Küche“ ist reichhaltig. Danke, Dass Du uns kosten lässt.
    Liebe Grüße
    MZ

    • 12-22-2014

      Lieber MZ,
      das hast Du wundervoll formuliert und mir mit ver-rückter Ent-rückung ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.
      HerzensReichen Dank dafür und auch dafür, dass Du hier liest, reinspürst und Dich berühren lässt.
      Dir und allen, die Dir am Herzen liegen einen schönen Tag!
      Kristina

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