Gepostet von am Feb 7, 2016 in 2016 - Jahr des Aufblühens

Frühling. Da draußen, vor dem Fenster, da ist Frühling. Und ich kann nicht hin.
Die Vögel, sie singen vom Erwachen der Natur. Die Sonne scheint und wärmt mit neuer Kraft. All die Pflanzen lassen ihre Säfte schon wieder nach oben wandern aus dem Erdreich. In die Knospen, aus denen Blätter und Blüten werden.

Ich fühle den Puls der Erde, die wieder spürbarer zu atmen beginnt. Da draußen. Und ich kann nicht hin.
Es ist mir nicht möglich, an meinen Lieblingsplatz im Wald zu gehen, mich ins feuchte Moos zu setzen und die kühle Rinde der Baumstämme zu berühren. Doch ich kann mich erinnern, hab all das schon mehrfach erlebt. Die Erinnerung ist lebendig, trotz meiner Unbeweglichkeit.

Ich rieche den Frühling, ich spüre das Erwachen da draußen. Und in mir. Bin selbst eine dieser Knospen, die schon ahnt, dass es bald an die Entfaltung geht, weiß, wie wundervoll es sich anfühlt, sich kraftvoll zu räkeln und zu strecken. Doch jetzt ist es noch nicht an der Zeit, vollends ins Außen zu gehen. Langsam, doch kraftvoll und einem unsichtbarem Plan folgend, sammeln sich die Kräfte, um zum richtigen Zeitpunkt zu erblühen.

Wie froh ich bin, diese Beobachtungen in der Natur gemacht zu haben und um das natürliche Geschehen zu wissen. So fällt es mir um einiges leichter, meine Unbeweglichkeit zu akzeptieren, hinzunehmen, den Frühling derzeit nur von drinnen beobachten zu können. Dadurch weiß ich, dass ich trotzdem ein Teil des großen Ganzen und von allem bin, dass das Alleinsein dieser Zeiten nur vorübergehend und keine Einsamkeit ist. Ich kann mir dadurch das Schieben von Innen und die Schmerzen erklären, denn im Gegensatz zu den Pflanzen will mein Verstand Beschäftigung. Nicht nur mit irgendetwas, sondern wie immer auch mit dem Jetzt, dem was gerade ist.

Gerade ist der Frühling sehr stark wahrnehmbar, da draußen vor meinem Fenster. Und ich kann nicht hin.
Kann nicht zu meinen Bäumen gehen, mich ins Moos setzen, mit dem Wind spielen. Doch bin ich Teil all dessen, also ist der Frühling auch in mir. So erlaube ich mir jeden Moment neu, scheinbar nichts zu tun. Erlaube mir, mir die Zeit zu geben, die all das braucht.

Wenn mir jetzt noch Menschen ein paar Minuten ihrer Zeit schenken, mir Gesellschaft leisten, mir das innere Reifen durch Spiel und Gespräche versüßen würden, wäre mein Blick nach draußen vielleicht weniger sehnsuchtsvoll. Dann werde ich wohl mal Bescheid geben müssen, dass es nicht nur Bäume und Moos sind, die ich zum Wohlfühlen brauche, sondern auch menschliches Da-Sein. Und so ganz bei mir, im scheinbaren Nichtstun, habe ich dennoch die Möglichkeit, mich zu üben, mutig zu sein, zu wachsen.

Da draußen, vor dem Fenster, ist Frühling. Ich kann nicht hin.
Da drinnen, in mir, ist Frühling. Bin mittendrin.

 

Frühling Spring

Photo: stux | pixabay.com

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