Gepostet von am Feb 12, 2016 in 2016 - Jahr des Aufblühens

Seit ein paar Tagen läuft die Fastenzeit. Diese westliche Tradition habe ich als Nichtkirchgängerin erst in den letzten Jahren für mich erschlossen und auf meine Art gelebt. Das Fasten ist eine wichtige Erfahrung für mich. Doch dieses Jahr 2016 ist jetzt schon sehr speziell und somit die beste Zeit für mich, diese Tradition zu brechen.

 

Fasten der letzten Jahre und ein ungewöhnlicher Start

 

Wie immer hinterfrage ich, unabhängig vom Zeitgeist oder traditionellen Vorgaben, konditionierten Gewohnheiten und Ritualen, ob und wie mir all das, was ich tue, noch dienlich ist. In den letzten Jahren fastete ich von Aschermittwoch bis Ostern, manchmal auch darüber hinaus. Ich fastete Alkohol, Kaffee, Schokolade. Mal einzeln, mal in Kombination oder alles auf einmal. Alles ohne große Schwierigkeiten. Fazit des Fastens und meiner Beobachtungen war, dass ich gut verzichten kann, in der Lage bin, mit Gelüsten und Gewohnheiten zu brechen und mich damit obendrein rundherum wohl zu fühlen, um nach Beendigung des Fastens das Verzichtete mit neuer Intensität genießen zu können.

2016 ist bisher anders als alle bisherigen Jahre. So begann das neue Jahr für mich schon mit Fasten. Im Januar meldete mein Körper an, es wäre Zeit auf Kaffee und Alkohol zu verzichten. Ich war etwas verwundert über diese Meldung, denn weder ging es mir körperlich schlecht, noch hatte ich beides exzessiv konsumiert. Doch mittlerweile vertraue ich meinem inneren Kompass und gab meinem Körper, was er wollte. Oder besser gesagt: ich ließ für ein paar Wochen Kaffee und Alkohol weg, wohlgemerkt im Januar schon.

Nun rückte die Fastenzeit näher und ich fragte mich, ob und was ich in welcher Kombination fasten wolle. Meine Überlegungen stoppten schon bei der Frage nach dem „Ob?“, denn die klare Antwort von drinnen war: „Nein.“. Wie so oft sind die Antworten aus meinem Inneren nicht nur von großer Klarheit, sondern auch sehr kurz. Ich ließ das „Nein.“ erst einmal, etwas verwundert, im Raum stehen. Die Faschingszeit kam und ging und der traditionelle erste Fastentag, Aschermittwoch, war da. Und er ging auch wieder, ohne dass ich etwas an meinen Ess- oder Trinkgewohnheiten änderte. Meine inneren Systeme blieben friedlich, kein Aufruhr. Kein Zweifel kam auf, denn die Antwort „Nein.“ stand klar und unumstößlich fest.

 

Traditionen sind wichtig. Doch warum eigentlich genau?

 

Das Fasten ist in der westlichen Kultur an religiöse Traditionen gekoppelt. Von Aschermittwoch bis Ostern gilt es zu fasten, zu beten und Buße zu tun, sagt die Kirche. Ich habe keine Verhaftungen an die Kirche, an das, was Mensch über Jahrtausende aus der Urverbindung gemacht hat. Jegliche ernsthafte Beschäftigung mit dem Thema Religion führt mich immer wieder zu dem Fazit, dass mir das alles zu dogmatisch, zu starr ist. Das betrifft im übrigen nicht nur den Katholizismus, sondern so ziemlich jeden -ismus, der auf diesem Gebiet zu finden ist. Alle Religionen sprechen für mich im Kern von der selben Essenz, haben sich nur andere Gebäude darum errichtet.

Nun habe ich in den letzten Jahren dennoch diese Tradition gepflegt. Was also stößt mich dieses Jahr daran? Was wäre denn nun, wenn wir Menschen unseren Geist so weit öffnen, dass wir all die Traditionen als Erinnerungen verstehen? Erinnerungen daran, dass die Menschheit sich Werkzeuge zu eigen gemacht hat, die wir über Dogmen und Rituale hinaus, im Weitergehen immer dann anwenden können, wenn es uns stimmig erscheint. Das Fasten selbst ist Reinigung von Körper, Geist und Seele. Beten ist ein in sich gehen und Zwiesprache halten, mit etwas, das wir nicht sehen oder anfassen können. Büßen, also die Konsequenzen für unser Handeln tragen, müssen wir immer, nicht nur 40 Tage im Jahr oder im Beichtstuhl. Ist es Zeit, einem anderen Führer zu folgen, einem der in uns ist und für den unser Körper, unser Geist und unsere Seele Kirche oder Tempel genug ist?

Hielten wir an Traditionen fest, wäre die Erde in unseren Köpfen wohl immer noch eine Scheibe oder die Existenz von Gravitationswellen weiterhin Utopie statt wissenschaftlich belegt. Sind wir Menschen vielleicht nun reif genug, uns von starren und einengenden Konzepten zu lösen, ganz gleich ob Religion oder Erziehung, Gesellschaftsformen und -systemen, die uns von unserem natürlichen Sein fernhalten? Sind wir 2016 bereit, die Vergangenheit leicht hinter uns zu lassen, viele brauchbare Erfahrungen und Erkenntnisse im Gepäck, um sie mit Achtsamkeit dann einzusetzen, wenn sie wirklich gebraucht werden? Sind wir so weit, unsere kognitive und emotionale Intelligenz über rahmen- und sicherheitgebende Rituale und Traditionen zu erheben? Sind wir in der Lage, Konzepte und Konstrukte immer mehr loszulassen, die zwar unserer Bewusstseinserweiterung dienten, jetzt jedoch eher behindern als fördern?

Ich weiß nicht, welche Antworten Ihr Euch darauf gebt. Ich spüre, welchen Raum allein diese Fragen in mir öffnen. Ich atme freier, fühle mich leichter und der Natur näher, die immer und immer wieder mein Meister ist. Das fühlt sich so stimmig an, dass ich mit Freude die Fastenzeit und weitere Traditionen zu brechen bereit bin. Jedoch nicht, ohne ein Gefühl der Dankbarkeit für all unsere Ahnen, die ihres dazu taten, um mich, UNS, an diese neue Schwelle zu bringen.

 

Gravitation Fasten Tradition

Photo: geralt | pixabay.com

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