Ein Besuch bei Freunden – Waldspaziergang

Gepostet von am Feb. 19, 2015 in GeDANKEnwelt

Ich ging im Wald so für mich hin, um gar nichts zu tun, das war mein Sinn. Ich tauchte ein in diesen Wald und spürte, wie ich eins wurde mit ihm. Würde ich zeichnen, malte ich jetzt Bäume mit Gesichtern, die sich bewegen, mit Armen, die einladend winken und Baumkronen, die sanft wippen. Doch ich male mit Worten. Und so schreibe ich, dass ich mit jedem Schritt in den Wald das Gefühl hatte, ins Haus von Freunden einzutreten. Freunde, die mich schon ewig kennen, die sich über meinen Besuch freuen, die mich hereinbitten, mir einen Platz zum Sitzen anbieten, mir Nahrung hinstellen und gleichermaßen gespannt wie wissend sind, warum ich zu Besuch komme. Freunde, die mich lieben. Einfach so. Weil ich ich bin. Weil ich bin.

Sanft setze ich meine Füsse ins Moos, ins feuchte Unterholz, ins Laub des vergangenen Herbstes. Kaum merklich nicke ich den Bäumen zu und lächle still. Ich bestaune das frische Grün, das den nahenden Frühling greifbar werden lässt. Ich genieße Mutter Natur mit allen Sinnen und werde mit jedem Schritt mehr und mehr eins mit ihr. Ich verlasse den schmalen ausgetretenen Pfad am Waldrand. Ich steuere intuitiv auf eine kleine Lichtung zu, spüre, wie die Bäume immer näher rücken. Sie nehmen mich in ihren Kreis auf, sind wie große Brüder, die mich friedlich begleiten. Ich werde ganz still, fühle mich geborgen. So unendlich geborgen. Immer leiser wird mein Verstand, ruhiger die Gedanken, langsamer mein Schritt. Ich berühre mal hier einen Baum, mal da und betrete die Lichtung, schaue mich um. Ich sehe Wald und sehe Freunde, Familie. Ich weiß, ich bin Zuhause. Es fließen ein paar Tränen der Freude, der Dankbarkeit und auch ein paar, die alten Schmerz befreien. Ich gehe weiter und plötzlich steht ein Baum vor mir, der mich bis ins Mark erschüttern lässt.

Ich sehe seine glatte Rinde, das hauchzarte Grün des Mooses auf ihm, spüre seine Kraft und Güte, die mich zusammenbrechen lässt. Ich knie auf seinen Wurzeln, lehne mich an seinen Stamm und weine bitterlich, flehe stumm um Vergebung. Ich bitte um Vergebung für all das, was Mensch in seiner Beschränktheit und Gier, aus Angst allen Wesen antut. Ich fühle für einen kurzen Moment so viel Zerstörung, Lieblosigkeit, dass es mir den Atem raubt. Ich berühre diesen Baum und schäme mich, Mensch zu sein und verspreche gleichzeitig, alles mir nur Mögliche zu tun, um Liebe in dieser Welt sein zu lassen. Und auf einmal wird mir klar, dass alles seinen Gang geht, ob nun mit oder ohne uns Menschen. Es ist schon immer so, seit Anbeginn der Zeit. Alles entsteht und vergeht, kommt und geht. Am Stamm dieses Baumes spüre ich die Endlichkeit meines eigenen Lebens und kann die Unendlichkeit des Seins fast mit Händen greifen. Ich lasse alles fallen und fühle nur noch Liebe und Frieden. Mein Gesicht beginnt zu lächeln, während ich mich erhebe, mich an dieses schöne Wesen lehne.

Ein paar Fragen steigen in mir auf, drängen sich an die Oberfläche, wollen gestellt werden. Und so rede ich stumm mit meinen Freunden, ohne jeden Zweifel, ob sie mich verstehen. „Was ist nun mit uns Menschen, die wir kämpfen und töten und uns gleichzeitig Liebe und Frieden wünschen? Wie können wir Menschen uns miteinander derart heimisch fühlen, wie ich mich mit Euch? Was kann ich tun?“ Wir führen ein Zwiegespräch, diese Bäume und ich und alles was ich nun in Worten formulieren kann ist dies:
Alles, was ich mit ganzer Kraft und Liebe tue, trägt dazu bei, dass meine Hoffnungen wahr werden. Täte es ein jeder so wie ich, auf seine ganz eigene Art, würden Hoffnungen vieler wahr. Die Bäume sagten mir, wir seien schon viele, mehr als wir denken. Fühlten wir mehr, wüssten wir es auch.

„Und wenn wir es nicht schaffen? Gerade jetzt, wo es überall zu kriegen statt zu frieden scheint?“ frage ich und weiß im gleichen Augenblick die Antwort. Sie kommt aus meinem Herzen, noch bevor die Baumfreunde es mir zuwispern können. Ich muss schmunzeln, denn mir wird meine eigene menschliche Begrenzung durch das Stellen dieser Frage klar. „Was, wenn wir es nicht schaffen?“
„Dann schaffen wir es nicht. Alles entsteht und vergeht, alles kommt und geht.“

BesuchbeiFreunden

1 Kommentar

  1. 2-19-2015

    Beim Lesen sah ich den Baum, der Dich förmlich mit seinen Zweigen umarmt und Dir mit seiner starken Ruhe sagt: „Sei getrost, liebes Menschenkind“.
    Und die (Er-)Lösung für alle Menschen hast Du schon selbst geschrieben: Alles mit ganzer Kraft und Liebe tun! Auch immer mehr ins Spüren und Fühlen kommen.
    Dann schaffen wir es. Egal, wieviel es zu kriegen statt zu frieden SCHEINT. Das sagt das Wort schon, es scheint nur so. Das Säbelgerassel übertönt noch die vielen friedlichen Bewegungen. Noch. Wir arbeiten daran.
    Kleiner Tipp für alle Helfer:
    Wenn wir Frieden wollen, dann sollten wir Frieden denken, uns deutlich vorstellen wie das wirkt und sich anfühlt, unsere Aufmerksamkeit dahin lenken. Die Energie folgt immer der Aufmerksamkeit, das ist wie ein Naturgesetz. Würde ich mich über Kriege aufregen, gebe ich meine Aufmerksamkeit und Energie da hinein und stärke damit diese Seite. Wollen wir das? Wir sind tagtäglich in unserem Leben gefordert zu entscheiden, was wir wollen. Da lenkt sich dann auch unsere Energie hin.

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