Gepostet von am Apr 5, 2020 in 2020 - Die Welt verändert sich

Warum mich diese globale Krise nicht aus der inneren Ruhe bringt? Weil ich so etwas schon einmal im Rahmen der deutsch-deutschen Wiedervereinung erlebt habe.

 

Die Welt verändert(e) sich

 

Im zarten Teenager-Alter löste sich quasi über Nacht auf, was bis dato als (mein) Weltbild galt. Es bahnte sich leise an, mit ein paar Treffen in Leipzig, zog seine Kreise durch die Mitwirkung von Ungarn und Co. Und „auf einmal“ war da der Russe, der Ami, der „Westen“ und es geschahen schnell, unkontrollierbar und sehr friedlich Dinge, die sich keiner vorher ausmalen konnte.

Viele Ostdeutsche wollten nur eine Verbesserung der Lebensqualität, mal reisen, mal kaufen, wonach einem der Sinn steht, die zerrissenen Familien Ost/West wieder vereinen. Keiner wollte die Aufgabe von tragenden solidarischen Werten, den wirtschaftlichen Ausverkauf, die Minderbewertung als Ossi und Mensch 2. Klasse zu bleiben.

In der DDR hatten wir ein Leben, eine Heimat, Werte, die wir nie verlassen oder verraten wollten. Wir wollten nur einfach „raus dürfen“, Bananen nicht nur auf Zuteilung und sagen dürfen, wonach uns der Sinn stand, ohne mit Anschwärzung rechnen zu müssen. Wir spürten, so geht es nicht mehr weiter, taten das unsrige dazu und mussten zusehen, welche Lawine an Geschichtsveränderung dieser Schneeball in Bewegung brachte.

 

Die Welt der Deutschen stand Kopf

 

Es folgten Zeiten der Desorientierung, Planlosigkeit. Aus Freude wurde Wut und Frust, Angst vor der Zukunft stand auf der Tagesordnung. Es starben keine Menschen, aber es starben Sicherheiten, Träume, Werte, Vorstellungen und Illusionen. Und es wurde, was es heute ist – es wurde alles anders. Die Wirtschaft hat sich komplett verändert, Werte wieder stabilisiert, Horizonte erweitert. Wir erlebten viel unangenehmes Gefühlschaos, Verletzungen und Enttäuschungen und haben all das überlebt. In welcher Qualität, hatte mal wieder jeder Einzelne selbst in der Hand. Ich bin heute dankbar für diesen Umbruch, weil er Grenzen in Kopf, Herz und real geöffnet hat. Dankbar, weil für jeden Moment der Angst und Wut viele neue Momente des Erlebens und der Entwicklung geschehen sind.

Und ähnlich wird es dieses Mal sein. Nur betrifft es dieses Mal nicht nur Deutschland, sondern alle Länder dieser Erde. Dieses Mal haben wir kollektiv Angst vor dem Ungewissen, aber auch Hoffnung auf viele Verbesserungen, denn in vielen Bereichen kann es nicht so weitergehen, wie bisher. Wie in den 80ern… nur dieses Mal global. Und auch dieses Mal ist jeder Einzelne (mehr denn je) dazu aufgerufen, in den Veränderungen, die da nun geschehen, sein ganz persönliches Standing zu finden, seine Werte zu hinterfragen, zu leben oder zu verändern.

 

Denn eines habe ich bisher gelernt:

 

Es wird immer Licht & Schatten geben. Das ist quasi ein kosmisches, natürliches Gesetz, welches wir nicht aushebeln können.
Die Fragen, die sich zu jeder Zeit stellen sind: Welcher Mensch möchtest du selbst sein, jeden Augenblick deines Lebens? Wer bist du, wenn es dir gut geht, du dich in Sicherheit wähnst, dir die Sonne scheint? Wer bist du, wenn Ungewissheit, Kontrollverlust und einschneidende Veränderungen an der Tagesordnung stehen? Wie sehr unterscheiden sich dein Reden, Handeln, Denken und Fühlen, wenn es hell oder dunkel scheint? Kannst du zu jedem Zeitpunkt in den Spiegel und dir ehrlich in die Augen sehen?
Und ich glaube, diese Frage kommt aktuell expliziet und unausweichlich für uns alle dazu:
Ist das, was wir da herausfinden, eines Menschen wirklich würdig?

Ich weiß, das sind große Fragen. Vielleicht findet der/die Einzelne auch unangenehme Antworten, wird aber auch so manchen Schatz entdecken. Ich bleibe in meiner Ruhe, weil ich weiß, was immer geschieht, irgendwie wird es weiter gehen, mit Licht & Schatten. Ich werde wieder das Beste daraus machen, so gut ich eben kann, mit aller Herzens-Kraft, die ich habe.

 

Zum guten Schluss

 

Eines noch hat sich zu 1989 ff. geändert: Wenngleich auch ich derzeit mit Ungewissheit in die Zukunft schaue, manchmal an meine Grenzen komme, Momente der Überforderung habe und nicht immer in der Lage bin, das Gute in allem und den Menschen zu sehen, so erdet mich immer wieder das Wissen:
Zu irgendetwas wird all das gut sein und unterm Strich komme ich hier sowieso nicht lebend raus.
Also: Nimm diese „schweren“ Zeiten leicht, nimm dich und die Dinge nicht so ernst. Stelle dir wirklich wichtige Fragen und gib dir die Ruhe, deinen Antworten zu lauschen. Denn sie sind in dir.

In diesem Sinne: Alle(s) Liebe für uns alle und mögen wir erkennen: Die wahre Macht ist mit und in uns. Nutzen wir sie – weise.

 

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