Gepostet von am Feb 24, 2016 in 2016 - Jahr des Aufblühens

Heute erreichte mich die Nachricht, dass Peter Lustig, der Latzhosen-Mann aus der Sendung „Löwenzahn“ verstorben ist. Diese Nachricht bewegte meinen Geist in zwei verschiedene Richtungen.

 

Peter Lustig und halbgare Gedanken

 

Ich gehöre zwar nicht zu jenen, die mit dieser Sendung aufgewachsen sind, doch Peter Lustig war mir ein Begriff und seine Art, Menschen, Dinge zu erklären, ihnen Blickwinkel zu eröffnen, gefiel mir. Nun lese ich in den Social Media – Timelines vermehrt die Aussage: „… mit ihm geht wieder ein Stück meiner Kindheit…“ oder „Wieder ein Stück Kindheit weg.“. Leute, was ist eigentlich los mit Euch? Liegt es an Social Media oder an der viralen Unart, halbgar Gedachtes in Schriftform zu bringen und es in gestresster Eile, ohne es noch einmal zu hinterfragen, in den internet-ten Äther zu schicken, in dem Glauben, man hätte zwar gerade für gar nichts Zeit, aber doch etwas Wichtiges zu sagen?

Ich als Wort-Künstlerin habe öfter halbgare Gedanken, Geistesblitze, die mich einfach dann treffen, wann sie es wollen und nicht immer dann, wenn es mir (zeitlich) passt. Für so etwas trage ich meistens ein Notizbuch bei mir. Oder ich nutze die Notizfunktion meines Handys, greife nach einem Schmierzettel oder was sich gerade bietet, um den Gedanken aufzuschreiben. In den wenigsten Fällen tippe ich derlei Gedankengut in den internet-ten Social Media – Raum und das hat viele Gründe. Zum Beispiel den, dass das Internet zwar virtueller, aber öffentlicher Raum ist und ich jemand bin, der sich zur Darmwinderleichterung zurückzieht, statt beim Nachbarn zu klingeln und diesen damit zu belästigen.

 

Halbgares sollte dringend reifen vor Veröffentlichung – gilt für Gedanken und Erwachsene

 

Halbgare Gedanken können zu großartigen Erkenntnissen oder Meinungen reifen. Können, müssen sie nicht. Manchmal ist der Ansatz gut, jedoch der Richtungsverlauf des Gedanken unbewusster Konditionierung geschuldet, statt reifer Selbstverantwortung entspringend. Dann gibt der Verlauf zwar wieder, wer ich war, aber nicht, wer ich heute bin. Und manchmal, ab und zu, kann so ein halbgarer Gedanke auch nicht mehr sein, als ein zu vernachlässigender Furz meines Verstandes. Denn manche Gedanken sind nun mal nicht mehr und nicht weniger als unangenehm riechende Darmwinde: es gibt sie, aber man muss nicht unbedingt ein Riesenaufheben darum machen.

So, wie komme ich nun dazu, von Peter Lustig´s Ableben auf halbgares Gedankengut zu kommen? Ganz einfach. Erwachsene Menschen, die mit Foto und Namen registriert sind, geben Äußerungen von sich (und das nicht nur bei diesem Thema), die mutmaßen lassen, dass es mit der Reife noch nicht so weit her sein kann. Zu diesem Schluss muss ich kommen, denn wie bitteschön, kann das Ableben eines Menschen dazu führen, dass einem selber ein Stück Kindheit stirbt? Bei einem Erwachsenen ist die Kindheit per se Geschichte, also Vergangenheit. Vergangenheit kann nicht sterben, da sie im übertragenen Sinne ja schon tot ist. Stirbt ein Mensch, der unsere Vergangenheit/Kindheit sehr geprägt hat, stirbt dieser Mensch, nicht unsere Vergangenheit.

Gehe ich mal von dem Falle aus, dass diese Bemerkungen im Besitz der geistigen Kräfte geschrieben wurden und somit genau so gemeint waren, dann gilt mein herzliches Mitgefühl all jenen. Denn ihnen ist mit Peter Lustig nicht ein Teil der Kindheit gestorben, sondern sein Tod macht deutlich, dass ihnen wohl schon vor längerem das innere Kind abhanden gekommen sein muss. Träfe sie der Tod von Peter Lustig als Mensch oder Prominenter, schrieben sie wohl das Übliche: „R.I.P“ oder „Danke, gute Reise.“ Sie bedauern jedoch das Sterben ihrer Kindheit. Steht ja da: „Wieder ein Stück Kindheit weg.“ Wie trostlos muss ein solches Erwachsenen-Dasein sein. Ich habe eine leise Idee davon; ich war auch schon mal innerlich mehr tot als lebendig.

 

Hand hoch: Wem ist das zu kompliziert?

 

Wem meine Ausführungen zu kompliziert sind, dem sei gesagt, dass es für mich ganz leicht ist, diese Zusammenhänge zu sehen. Dem sei gesagt, dass es für mich kompliziert ist, mich in einer Welt zurecht zu finden, in der erwachsene Menschen derart unreflektiert (oder innerlich tot) sind, dass ihnen solche simplen Zusammenhänge nicht klar sind und ihnen nicht auffällt, mit wie vielen halbgaren Gedanken sie den ganzen Tag um sich werfen und sich dann wundern, warum die Welt so ist, wie sie ist. Mal eben schnell und nebenbei was Wichtiges sagen oder schreiben, kann in häufigen Fällen nun mal eben die Qualität eines entfleuchten Darmwindes haben.
Wer sich angesprochen fühlt: Achtet mal darauf, ob Ihr Eure halbgaren Gedanken vorerst lieber mit Euch ausmacht oder ob Ihr Eure Hintern unkontrolliert in den öffentlichen Raum haltet. Kann man beides machen, klar, freier Wille und so. Nur wie gesagt, wundern braucht sich dann so mancher nicht mehr…

Wer mag: Den zweiten Gedankengang zum Thema gibt es morgen. Ich lasse ihn über Nacht reifen, denn noch ist er etwas halbgar. Ich schließe diesen Blog heute dankbar und sehr gern mit einem Blick in die Unendlichkeit zu Peter Lustig:
„Jetzt kommt eh nichts mehr, also abschalten.“

 

Peter Lustig

Photo: PeterDargatz | pixabay.com

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