Gepostet von am Jul 20, 2017 in 2017 - Jahr des Entfaltens

Whatsapp, Facebook, Twitter und Co. Soziale Medien sind eine feine Sache. Doch sie erfordern, wie so alle Highspeed-Neuerungen unserer zunehmend technologisierten Welt, sehr viel Disziplin und das Maßfinden des richtigen Umgangs mit ihnen.

 

Was Hänschen nicht gelernt hat…

 

… kann Hans mit ein wenig Mühe immer noch lernen. Heutzutage muss man kein Nerd mehr sein, um mit Technik zu tun zu haben. Alles wird benutzerfreundlicher. Ein Mailaccount, eine Handynummer und ein Passwort und schon steht uns das World Wide Web offener denn je. Google weiß, was wir bei amazon recherchiert und bei ebay gekauft haben und empfiehlt uns gleich noch mehr Dinge, die wir evtl. brauchen könnten. Wer heutzutage im Adressbuch eines Handys eingespeichert wird, betritt meist auch gleich den grün-weiß-bunten Himmel von whatsapp. Wer schreibt schon noch SMS oder ruft gar an?

 

Whatsapp und Co. – das neue Leben 2.0?

 

Nicht nur unsere Kids haben Schwierigkeiten, ihre Zocker- und Online-Zeiten im Rahmen zu halten. Wer von Euch steht nicht in der Warteschlange an der Kasse, sitzt im Kaffee oder auf dem Klo und checkt seine Mails, Nachrichten und den Status seiner Kontakte? Wer kennt sie nicht, die Situationen, da Menschen in Bars oder Vereinen zusammensitzen und früher oder später wenigstens einer, wenn nicht gar alle an ihren Smartphones hängen? Ganz gleich, welchen Alters sie sind.

Ich beobachte mich und mein Online-Verhalten seit geraumer Zeit kritisch. Ich habe es in den letzten Monaten „geschafft“, meine erste (fast auschließliche) Whatsapp-Beziehung zu führen. Ich habe es „geschafft“, Flirts ausschließlich über dieses Medium zu führen, weil im realen Leben keiner wissen sollte, dass es da zwischen zwei Menschen gefunkt hat. Ich habe es „geschafft“, Unmengen an Zeit zu vertippen oder zu warten.

Es ist so verführerisch, bunte Bilder, lustige Sprüche und Worte, die man sich in Echt nicht zu sagen traut, durch den virtuellen Äther zu schicken. Mir als Wortakrobatin und Schreibkünstlerin ist es oft eine Freude, aus dem Moment heraus etwas in eine Nachricht oder einen Status zu tippen, an dem so mancher teilhaben oder sich in einer ruhigen Minute Gedanken dazu machen kann. Immer mit dem Gefühl, mit dem anderen in Verbindung zu stehen und eine (wie auch immer geartete) Beziehung und Kommunikation zu führen. Doch wie schnell wird aus Freude ohne Achtsamkeit ein „Fluch“, wenigstens Frust…

 

Selbsterkenntnis kommt manchmal zeitverzögert, aber nie zu spät

 

Während ich das hier schreibe, schüttele ich wie ein Wackeldackel auf der Hutablage mit dem Kopf. Man ist echt nie zu alt für manchen Scheiß… Kommunikationen, Beziehungen und Flirts auf Online-Basis? Ich spreche hier von Menschen, die ich real kenne, denen ich ab und an begegne(te), mit denen ich sehr oft vor anderen Menschen über ganz andere Dinge sprach. Ich spreche von Menschen, deren Telefonnummern ich in meinem Handy mit mir herumtrage.

Doch statt diese Nummern zu wählen, wird getippt, was oder wann immer es Gefühl oder Arsch eingeben. Und es wird gewartet. Auf Antwort oder Erklärung, denn schließlich ist die Gefahr von Missverständnissen hoch. Es wird darauf gewartet, dass sich diese schriftliche Beziehung im Außen widerspiegelt, Versprechen wahr gemacht und Treffen vereinbart werden. Während des Wartens noch schnell ein Foto in den Status-Orbit gesetzt, einen Screenshot des letzten Austausches an die Freundin verschickt, was die dazu sagt und zum x-ten Mal gecheckt, ob man nicht vielleicht doch einen Benachrichtigungston überhört und etwas übersehen hat.

Nicht nur die Technik entwickelt sich, sondern auch die Subtilität und Gesellschaftsfähigkeit unserer Neurosen und Süchte. Und währenddessen verkümmern unsere sozialen Fähigkeiten, weil wir unsere kostbare Lebenszeit in sozialen Netzwerken vertrödeln. Na gut, ich weiß nicht, wie das bei Euch ist. Bei mir ist vieles davon geschehen und damit ist heute Schluss.

 

Selbstversuch „Leben ohne whatsapp“

 

Es ist schon fast lächerlich, diesen Selbstversuch überhaupt ins Leben rufen zu müssen, doch für mich ist er wichtig. In meiner whatsapp-Liste sind nur Nummern von Menschen, die ich wirklich kenne, zu denen ich, meiner Meinung nach, eine Beziehung habe. Doch gestern Nacht kam mir die Erkenntnis: Kristina, hier läuft etwas mächtig schief. Noch einmal darüber geschlafen, mit vielen Sinnen und Ansätzen hinein gespürt ins Thema und die Entscheidung getroffen: Heute Abend um 20 Uhr startet der Selbstversuch:
Leben ohne whatsapp – Kommunikation und Beziehungen nur noch in Leben 1.0.

An alle, die mich in ihrer whatsapp-Kontaktliste führen:

Du willst mich treffen? Ruf an und mach mit mir was aus.
Du willst mit mir sprechen? Ruf an und quatsch mit mir.
Du willst mich sehen? Du weißt, wo ich wohne. Komm vorbei, klingle und schau, ob ich da bin.

Begegnen wir uns wieder in Echt, mit voller Aufmerksamkeit, mit allem Mut, den das erfordert. Denn stell dir mal vor, zum Schluss kann das Ganze auch noch richtig Spaß machen! So ganz in Echt, in Leben 1.0.

  1. Fazit: Klick hier für „Whatsapp, die erste Woche ohne“

 

photo (Original): MHI83 | pixabay.com

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