Gepostet von am Feb 26, 2016 in 2016 - Jahr des Aufblühens

Das Jahr 2016 ist noch nicht ganz zwei Monate alt und es gibt schon jede Menge Abschiede. Viele Prominente sind gestorben, Peter Lustig ist der aktuellste Fall. Anlass, mich mit dem Thema Prominenz zu beschäftigen.

 

Prominente sind auch nur Menschen

 

Achim Mentzel, David Bowie, Alan Rickman, Dan Hagerty, Glen Frey, Black, Maurice White, Roger Willemsen, Umberto Eco, Prince und Peter Lustig – das sind Namen einiger Prominenter, die seit Beginn des Jahres nicht mehr unter uns weilen. Sie hinterlassen viele Schaffenswerke und Menschen, die mit ihrem Verlust leben lernen müssen. Diese Prominenten waren vor allem eins: Menschen, wie Ihr und ich.

Unsere eigene Sterblichkeit ist ja nach wie vor eher ein Tabuthema in unserer Gesellschaft. Dabei werden wir doch tagtäglich mit ihr konfrontiert. Sei es durch den eigenen Tod oder den von Angehörigen, Freunden etc. . Und dann gibt es Momente, da werden ganz viele von uns durch den Tod Einzelner an das Sterben erinnert. Sei es durch Geschehnisse wie Zugunglücke, Flugzeugabstürze, Attentate oder andere. Oder diese Meldungen, wie sie uns im noch kurzen Jahr 2016 schon sehr oft erreichten: „Prominenter XY ist verstorben.“

Bei den erstgenannten Geschehnissen werden in den Social Media – Räumen ab und zu mal die Profilbilder in Landesfarben getaucht, Kondolenzgrüße getwittert oder/und laut Handlungen der Politiker eingefordert. Diese kommen meist zu spät, verzögert oder nicht zum Wohle derer, die danach rufen. Na, Ihr kennt ja das Spiel. Dabei berührt uns der Tod der Menschen nur wenig. Zu weit weg sind viele vom Großen Ganzen, als dass der Tod eines Unbekannten echten Verlustschmerz um ihn auslösen würde. Anders ist es bei den Todesnachrichten prominenter Menschen. Echte Betroffenheit klingt hier aus den vielen Statusmeldungen und geteilten Nachruf-Beiträgen, denn wir ließen zu, dass sie uns berühren durften. Schaffenswerke wie Filme, Bücher, Musik, Sendungen werden per Nennung und youtube-Verlinkung in Erinnerung gerufen. Die Verkaufszahlen ihrer Schaffenswerke steigen, so manche Agentur prüft, ob mit so manchem nicht noch zusätzlich Geld verdient werden kann. Sie nennen das „geschäftstüchtig“ oder meinen, das wären sie den Fans schuldig. Ich neige dazu, es „Leichenfledderei“ zu nennen. Und weil viele hier wirklich emotional betroffen sind, funktioniert es oft auch.

 

Prominenz – Leitbild oder Vorbild?

 

Was ist mit dieser Prominenz, dass wir es zulassen, jene als wichtiger, eindrucksvoller wahrzunehmen, als den Straßenmusiker, der uns mit seinem Song tief berührt, nur eben namenlos im Nirvana unserer Erinnerungen verschwindet? Oder den Schreiber eines Textes oder Buches, der uns im richtigen Moment eine wichtige Inspiration gibt, aber eben nicht im großen Verlagswesen Gehör und Vermarktung findet oder berühmter Blogger wird, die durch Presse, TV, Social Media etc. immer wieder personifiziert werden? Wieso sind diese Nichtprominenten für uns scheinbar weniger wert, obwohl jene oftmals viel echter sind und sei es nur, weil sie greifbar neben oder vor uns stehen?

Brauchen wir die Lenkung von Außen, den Medien, um uns an solche Menschen und ihr Wirken zu erinnern? Oder brauchen wir unsere Bewunderung für jene Prominenten, um uns darüber hinwegzutäuschen, selbst etwas Großes im Leben leisten zu können, leisten zu wollen oder es gar schon zu tun? Nutzen wir das Glorifizieren dieser Menschen dazu, uns selbst klein zu halten und immer mehr unter Druck zu setzen?

Es wäre ja gut, würde uns eine prominente Person per se an all jene erinnern, die ähnliches tun, nur eben nicht im Scheinwerferlicht. Doch tut es das? Erinnert uns die Erwähnung von David Bowie an all jene, die unsere Welt mit Musik bereichern, jedoch nie berühmt werden? Erinnert uns der Name Roger Willemsen´s daran, wie viele Menschen sich, ohne jemals irgendwo Erwähnung zu finden, tagtäglich für Kranke, Sterbende, in Not Geratene einsetzen? Sind Prominente wirklich noch Inspiration und Leitbilder mit dem, was sie getan haben oder bleiben wir heutzutage am Status „Prominent“ und an den Vorbildern (das Bild VOR einem Bild) von Anerkennung und Reichtum hängen?

Sollte dem so sein, dann steht es wirklich schlecht um uns, denn dann leben wir in einer noch größeren Illusion, als es dieses Leben eh schon ist. Ja, all diese Prominenten haben ihre Berufung scheinbar gefunden, scheinbar das getan, was sie am besten konnten und am liebsten taten. Scheinbar, denn wer von uns kann das schon mit Sicherheit sagen? Wer von uns kannte einen dieser Menschen persönlich, hat mit ihm mal ein paar Stunden Zeit verbracht und einen Blick hinter das Bild der Prominenz werfen können? Wissen wir nicht alle auch von Stars, die ein neues Image verpasst bekommen, weil sich das besser verkauft? Oder Stars, die als Band gefeiert werden und nicht einen Ton selber singen? Bekommen wir nicht auch mit, wie viele von ihnen unter dem Druck der Prominenz leiden, daran zugrunde gingen oder hinter der Fassade den Tod der Einsamkeit sterben?

 

Prominent oder nichtprominent – Jedes Leben ist gleich wichtig

 

Prominente können uns inspirieren, ermutigen, mit dem was sie tun. Sie schenken uns viel von sich, ihrem Können, ihrer Kraft und vielleicht auch ihrer Liebe. Doch mal Hand aufs Herz: Tun das nicht viele Menschen in unserem Umfeld? Lenken wir unseren Fokus doch wieder mehr und öfter auf jene, die um uns, die mit uns sind. Jene, die uns inspirieren, ermutigen. Jene, die sich, ihr Können, ihr Wissen, ihre Zeit und ihre Liebe an uns verschenken und nie den Status „Prominent“ erreichen werden. Jene Menschen, die tagtäglich im Theater des Lebens auf der Bühne stehen und Rollen spielen, wie: Groß-Eltern, Feuerwehrleute, Zuhörer, Wundenversorger, Herzschmerzheiler, Lebenslehrer… Schenken wir ihnen unsere Aufmerksamkeit und unsere Anerkennung, statt unser Geld und unsere Zeit für Stars und Sternchen zu vergeuden. Von mir aus, lasst uns beides tun, doch mit veränderter Wertverteilung. Wenden wir uns jenen wieder mehr zu, die uns Leitbilder sind. Wenden wir uns etwas ab von der Scheinwelt des Ruhmes, der Vorbilder, die uns (in uns) Bilder vorsetzen, deren Wert für uns hinterfragenswürdig sein sollte.

Ich danke allen Prominenten, allen Nichtprominenten, allen Helden des Alltages und jenen, die sich selbst nie so bezeichnen würden. Ich danke allen Menschen, die gleich welchen Rang oder Namen sie haben, ihr Bestes geben, die großartigste Version ihrer Selbst zu sein. Vor allem gerade dann, wenn ihr visionäres, stetiges, liebevolles, stilles Tun am wenigsten Anerkennung findet in einer Gesellschaft, die sehr oft zu viel Wert auf Rang und Namen legt, statt auf wahre Werte.
Wenden wir uns wieder mehr einander zu, am besten noch zu Lebzeiten.

 

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Photo: johnhain | pixabay.com

 

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